Kühltaschen treiben im Wasser. Daneben versiegelte Kunststoffpakete. Badegäste am Strand von Casuzze bei Marina di Ragusa ziehen die Fracht an Land, öffnen sie – und stehen vor Bündeln von Geldscheinen in verschiedenen Stückelungen.
In der Summe fast 700.000 Euro, wie der italienische öffentlich-rechtliche Rundfunk Rai berichtet.
Zehn Meter vor dem Strand: ein Motorboot ohne Sprit
Angefangen hatte der Tag ganz unspektakulär. Ein kleines Motorboot lag rund zehn Meter vor dem Ufer fest, der Treibstoff war leer.
Zwei der vier Insassen gingen an Land, um Benzin zu besorgen. Die anderen beiden blieben an Bord.
Weil die Strömung das Boot immer weiter Richtung Strand schob, riefen Badegäste die Küstenwache. Ein Routineeinsatz an einem heißen Julitag, Sizilien steckte mitten in einer Hitzewelle.
Als die Küstenwache kommt, gehen die Pakete über Bord
Beim Näherkommen der Einsatzkräfte sollen die beiden verbliebenen Männer angefangen haben, versiegelte Pakete ins Meer zu werfen. So schildert es der Sender.
Kurz darauf war klar, was darin steckte. Neben der Küstenwache rückten Finanzpolizei, Polizei und Carabinieri an.
Badegäste greifen zu, Beamte greifen durch
Bargeld, das im flachen Wasser eines Badestrands treibt, bleibt nicht lange unbeaufsichtigt. Mehrere Badegäste versuchten, Päckchen verschwinden zu lassen. Die Beamten stoppten sie.
Wer an diesem Vormittag zugriff, wurde nicht zum glücklichen Finder, sondern zum Fall für die Ermittler.
Staatsanwaltschaft Ragusa ermittelt
Die vier Bootsinsassen wurden kontrolliert, Spezialkräfte durchsuchten das Motorboot. Die Staatsanwaltschaft Ragusa hat Ermittlungen aufgenommen.
Nach ersten Erkenntnissen könnte das Boot für illegale Geschäfte genutzt worden sein. Belegt ist das nicht, eine Anklage gibt es bislang nicht, für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.
4999,99 Euro: Warum die Summe in Italien auffällt
Für den Verdacht braucht es keine große Fantasie, und das hat mit italienischem Recht zu tun.
Seit Anfang 2023 dürfen in Italien Barzahlungen den Betrag von 4999,99 Euro nicht überschreiten. Wer die Grenze reißt, riskiert Sanktionen zwischen 3000 und 50.000 Euro, und zwar auf beiden Seiten des Geschäfts.
Die Summe aus den Kühltaschen entspricht dem 140-Fachen dieser Obergrenze. Bargeld in dieser Größenordnung bewegt sich in Italien praktisch nur noch außerhalb des legalen Zahlungsverkehrs.
Für Deutschland kommt die Debatte gerade erst an: Ab dem 10. Juli 2027 gilt EU-weit eine Obergrenze von 10.000 Euro für gewerbliche Barzahlungen.
Geld gefunden in Italien: Was der Codice Civile vorschreibt
Bleibt die Frage, die sich am Strand von Casuzze vermutlich jeder gestellt hat. Behalten ist keine Option.
Das italienische Zivilgesetzbuch verlangt, einen Fund unverzüglich abzuliefern, zuständig ist die Gemeinde. Eigentümer wird der Finder frühestens nach Ablauf eines Jahres, wenn sich niemand meldet.
Einen Finderlohn sieht Artikel 930 vor, gestaffelt: ein Zehntel des Werts, für alles oberhalb von 5,16 Euro allerdings nur noch ein Zwanzigstel. Bei 700.000 Euro wären das rechnerisch rund 35.000 Euro.
Fundrecht in Deutschland: 21.000 Euro – theoretisch
Hierzulande sieht die Rechnung ähnlich aus. Nach Paragraf 971 BGB stehen dem Finder fünf Prozent bis zu einem Wert von 500 Euro zu, darüber drei Prozent. Für 700.000 Euro ergäbe das 21.000 Euro.
Voraussetzung ist, dass alles korrekt läuft. Verlorene Sachen sind nicht herrenlos, der bisherige Eigentümer bleibt Eigentümer.
Das BGB verlangt eine unverzügliche Anzeige, entweder direkt beim Eigentümer oder bei der zuständigen Stelle. In Berlin ist das unter anderem das Zentrale Fundbüro. Meldet sich sechs Monate lang niemand, geht die Fundsache an den Finder.
Wer stattdessen einsteckt, riskiert ein Verfahren wegen Unterschlagung. Der Strafrahmen reicht bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe.
Beide Rechnungen bleiben im sizilianischen Fall Theorie. Geld, das mutmaßlich aus Straftaten stammt, wird sichergestellt und eingezogen. Einen Finderlohn gibt es darauf nicht.
Venedig: 7000 Dollar, ein Jahr Streit, ein Prozess
Dass selbst ehrliche Finder nicht automatisch bekommen, was ihnen zusteht, zeigt ein Fall aus Venedig.
Eine Frau fand in einem Vaporetto eine Tasche mit 7000 Dollar und gab alles im Fundbüro ab. Ein Jahr später fragte sie nach dem Geld. Die Stadt weigerte sich, es auszuzahlen.
Die Finderin klagte und bekam am Ende recht.
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