Künstlerinitiative will Gebäude für Archiv, Vorträge und Souvenirs / Finanzierung noch unklar

East Side Gallery soll ein eigenes Haus bekommen

Claudia Fuchs
3 Min

Die East Side Gallery an der Mühlenstraße soll ein eigenes Museum samt Lehrstätte bekommen. Das jedenfalls sind Pläne der "Künstlerinitiative East Side Gallery", die sich seit 1996 um den Erhalt der bemalten Mauerteile an der Spree bemüht. Das "Haus der East Side Gallery" soll zum einen Erinnerungsort an die Mauer sein; zum anderen Begegnungs- und Tagungsstätte für jene, die sich weltweit mit trennenden Mauern und deren Überwindung beschäftigen. Als Konkurrenz zum Haus am Checkpoint Charlie soll das Projekt nicht verstanden werden, sagt Kani Alavi von der Künstlerinitiative. "Wir wollen uns auch mit geteilten Ländern wie Korea und Zypern beschäftigen." Die Berliner Mauer sei eben nur ein Symbol für die Trennung von Menschen. Und Berlin brauche einen Ort, an dem man sich damit beschäftigen könne. Entwurf von StudentinnenObwohl derzeit unklar ist, wer den 18 bis 20 Millionen Mark teuren Neubau an der Mühlenstraße bezahlen soll, gibt es bereits konkrete Vorstellungen, wie das Museum aussehen soll. Zu verdanken ist das zwei Architektur-Studentinnen von der Technischen Universität. "Wir haben uns die East Side Gallery als Thema für unsere Diplom-Arbeit gesucht und überlegt, was dieser Ort noch braucht", sagt die 26-jährige Andrea Salge. Und da eine Architektur-Diplomarbeit auch Fiktion sein darf, ließen die beiden jungen Frauen ihrer Phantasie freien Lauf. Ihre Idee: Ein zehngeschossiger Bau für Mauerarchiv, Ateliers und Tagungsräume auf der einen Seite der Freiluft-Galerie, ein Flachbau für Souvenirgeschäfte auf der anderen Seite. Verbunden werden sollen beide Gebäude durch eine Brücke aus Glas, die einen Blick über die East Side Gallery ermöglicht. Eine Fußgängerbrücke soll zudem auf die Kreuzberger Seite der Spree führen. Zufällig decken sich diese Vorstellungen mit den Wünschen der Künstlerinitiative. "Mein Traum war es schon immer, ein Museum für die East Side Gallery zu schaffen", sagt der Maler Alavi. Bei zuständigen Stellen hat er sich bislang noch nicht um Genehmigungen für den Bau bemüht. "Wir wollten die Idee erst einmal zu Ende denken und öffentlich machen", sagt er. Mit der Präsentation des Entwurfs in seiner "Galerie am Potsdamer Platz" in der Kreuzberger Stresemannstraße 128 hofft der 43-jährige Künstler, Unterstützer für sein Museums-Projekt zu finden. Kani Alavi ist sich sicher: "Wenn es ein Signal von politischer Seite gibt, wäre der Bau kein Problem." Mit Sponsoren seien bereits Gespräche geführt worden. Sollte das Haus tatsächlich errichtet werden, sieht Alavi auch eine Chance für die marode East Side Gallery. Er ist überzeugt: Geld für deren Sanierung zu bekommen, wäre mit einem Museum daneben viel einfacher.MAUERREST Bilder von 114 Künstlern // Die 1 316 Meter lange East Side Gallery befindet sich zwischen Ostbahnhof und Oberbaumbrücke in Friedrichshain.Sie ist das Ergebnis von 114 Künstlern aus 21 Ländern. 1990 hatten sie auf 1 085 Segmenten der Berliner Mauer 101 farbige Bilder gemalt.Obwohl die Galerie seit 1991 unter Denkmalschutz steht, verfällt sie. Ihre Sanierung würde zwischen drei und fünf Millionen Mark kosten.

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