Das Goethe-Institut schwebt ganz demonstrativ auf Wolke Sieben. Man erlebe derzeit "einen ganz großen Kreativitätsschub", schwärmte Generalsekretär Hans-Georg Knopp bei der gestrigen Jahrespressekonferenz. Es herrscht Aufbruchsstimmung, nachdem die Krisenjahre unter Außenminister Joschka Fischer in eine neue Wertschätzung der auswärtigen Kulturpolitik unter Frank-Walter Steinmeier mündeten.Die Programmarbeit wurde dezentralisiert auf die Regionen; für Projektarbeit vor allem in Afrika und bei der Sprachförderung gab es 2008 zusätzlich 30 Millionen Euro, die im nächsten Jahr um weitere 16 Millionen aufgestockt werden. Die Zeit ist vorbei, als Institutsschließungen diskutiert werden mussten, dafür konnte unlängst nach zehnjähriger Abstinenz die Wiedereröffnung der Niederlassung in Daressalam in Tansania gefeiert werden. Demnächst folgen Luanda in Angola und Nowosibirsk.Endlich können, nach jahrelanger personeller Austrocknung, wieder junge Leute eingestellt werden, die das Institut in Bangalore leiten, als Netzwerkkoordinatoren voller Engagement durch ganz Afrika reisen oder die bevorstehende Expansion nach Sibirien organisieren.Auch die Zahlen stimmen optimistisch: 176 000 Menschen lernten Deutsch an den 134 Auslandsinstituten, 21 000 kamen zu diesem Zweck in die Filialen im Bundesgebiet. Acht Millionen besuchten 11 000 Kulturveranstaltungen weltweit. Die Bibliotheken verzeichneten rund 700 000 Nutzer. Etwa 30 Prozent seines Budgets von 292 Millionen Euro verdient das Goethe-Institut selbst, durch Kurs- und Prüfungsgebühren, Veranstaltungseinnahmen und Drittmittel.Besonders große Anstrengungen gelten der von Steinmeier ausgerufenen "Aktion Afrika". Ausgestattet mit einem jährlichen Sonderfonds von fünf Millionen Euro, werden dort die Spracharbeit und der Kunstaustausch intensiviert. Das Netzwerk mit Partnern in allen Ländern, auf das man besonders stolz ist, soll noch enger geknüpft werden. Rund 800 Goethe-Veranstaltungen gab es 2008 auf dem Kontinent. Ein Erfolg scheint auch die ehrgeizige Sprachoffensive zu werden. Mit Sondermitteln des Auswärtigen Amtes hilft das Goethe-Institut an weltweit 500 Schulen, den Deutschunterricht zu intensivieren. Oft kann dadurch überhaupt erstmals die Sprache angeboten werden. Mit über 250 Partnerschulen schloss man seit Februar Verträge.Natürlich ist nicht alles so rosig, wie es klingt. Viele Goethe-Institute etwa sind dringend sanierungsbedürftig, und niemand weiß, ob der Geldsegen die Wirtschaftskrise überleben wird. Doch an ein neues Jammertal mag in der gegenwärtigen Euphorie niemand denken.
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