Kunde Nummer 9

Olivia Schoeller
3 Min

Ausgerechnet Eliot Spitzer! Der Sheriff der Wall Street, der Saubermann aus New York, der Gouverneur, der die Moral in die amerikanische Politik zurückbringen wollte - ausgerechnet er hat sich mit Prostituierten getroffen. Der Schock war so groß, dass seine Mitarbeiter wie gelähmt vor den Fernsehern saßen und sprachlos mitverfolgten, wie ihr Boss eine einminütige Pressekonferenz hielt. Im Beisein seiner aschfahlen Frau räumte Spitzer Fehler ein und versprach, das Verhältnis zu seiner Familie zu kitten. Zu politischen Konsequenzen schwieg er. Die Parteifreunde indes setzten ihm gestern Abend ein Ultimatum: Binnen 48 Stunden soll er zurücktreten. Das FBI hatte gegen den Prostitutionsring ermittelt und dabei auch Gespräche mit Spitzer aufgezeichnet. Fast stündlich werden peinliche Details bekannt.Kunde Nummer 9, wie Spitzer vom FBI genannt wurde, traf sich in der Nacht zum 14. Februar im bekannten Mayflower Hotel in Washington mit einer zierlichen Brünetten namens Kristen. Das Treffen soll gut eine Stunde gedauert und den Gouverneur zwischen 1 000 und 5 500 Dollar gekostet haben. Das jedenfalls sind die Preise, die der Prostitutionsring für den Service von Callgirls in Rechnung stellte. Offenbar war dies nicht Spitzers erstes Geschäft. Den Mitschnitten der Telefongespräche zufolge soll Spitzer als "schwieriger Klient" bekannt gewesen sein, der Leistungen forderte, die "nicht immer sicher" sind. Für einen Mann, der als Vorkämpfer gegen Korruption galt, sind das zerstörerische Enthüllungen und eine Genugtuung für seine Feinde.In seiner Zeit als New Yorker Generalstaatsanwalt stellte sich Spitzer auf die Seite der kleinen Leute und kämpfte gegen Korruption in der Wall Street und in der Politik. Gnadenlos legte er Mauscheleien unter Firmenbossen offen und klagte die Raffgier einiger Manager an. Spitzer war ein Held und galt als Hoffnungsträger der demokratischen Partei. Als er 2007 als Gouverneur von New York einen Republikaner ablöste, glaubte man, Spitzer könnte sogar einmal Präsident werden. Doch schon das erste Jahr als Gouverneur erwies sich als schwierig. Spitzer geriet mit der republikanischen Mehrheit im Staatssenat aneinander. Kurze Zeit später wurden Vorwürfe laut, seine Mitarbeiter hätten eine Schmutzkampagne gegen den Chef der Republikaner gestartet. Erst vor wenigen Wochen schien sich eine Einigung zwischen den Parteien abzuzeichnen.Für die Demokraten kommt der Skandal zu einer ungünstigen Zeit, am Tag der Vorwahlen in Mississippi. Barack Obama und Hillary Clinton stehen noch im Kampf um die Nominierung und die Republikaner nutzen die Verfehlungen Spitzers für politische Zwecke. Sie fordern den Rücktritt des Mannes, der auch "Superdelegierter" beim Parteitag zur Nominierung des demokratischen Präsidentschaftskandidaten ist. Wenngleich Spitzers Rücktritt symbolträchtige Konsequenzen haben könnte: Als Nachfolger würde sein Stellvertreter, der blinde David Patterson, übernehmen. Er wäre dann der erste schwarze Gouverneur des Staates New York.------------------------------Foto: Eliot Spitzer, Gouverneur des US-Bundesstaates New York

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