Ausstellung

Berlin Babylon: Kunst im Zeitstrahl der keineswegs „Goldenen Zwanziger“

„Ruin und Rausch. Berlin 1910–1930“: Eine so packende wie denkwürdige Ausstellung der Neuen Nationalgalerie mit Schlüsselwerken aus der Weimarer Republik.

6 Min
Ihr Signatur-Tanz hieß „Kokain“: Ausschnitt aus Otto Dix’ ganzfigurigem Porträt der frühen Performerin Anita Berber“, 1925

Ihr Signatur-Tanz hieß „Kokain“: Ausschnitt aus Otto Dix’ ganzfigurigem Porträt der frühen Performerin Anita Berber“, 1925

© VG Bild-Kunst, Bonn 2026 / Otto Dix/LBBW/KM Stuttgart

Das Jahr 1929: Die Weimarer Republik hatte nur wenige „goldene Jahre“. Der mythische Glanz war zuletzt eher Katzengold. Der Rausch paarte sich mit Ruin: Das „Babylonische Berlin“ und ganz Deutschland balancierten auf der Kippe. Niemand wusste, wohin die Reise geht, elf Jahre nach dem Ersten Weltkrieg und dem Ende des Kaiserreichs. Im Reichstag saßen 15 Parteien, von ganz links bis extrem rechts. Die Gesellschaft litt unter Inflation, Arbeitslosigkeit, Armut und Not.

Im „Blut-Mai“ schlug die Polizei Proteste brutal nieder. Am 24. Oktober crashte in New York die Börse, Schwarzer Freitag, Weltwirtschaftskrise. Und zwei Tage vor Heiligabend machte in Deutschland die Rechte mit einem scheindemokratischen „Volksentscheid“ mobil für das perfide „Freiheitsgesetz“. Trotz des gescheiterten Plebiszits schmiedeten Rechte und NSDAP eine Allianz, radikalisierten die politische Lage, um Artikel 48 der Reichsverfassung anzuwenden: zur Errichtung der Präsidialdiktatur und militärisch durchgesetzten Notverordnungen. Das Ende der Weimarer Republik war besiegelt. Hitler kam am 30. Januar 1933 ungehindert an die Macht.

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