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Kurz vor der Buchmesse: Die Deutschen lesen weniger – und die Jungen erst recht

Die Bilanz der Branche sieht düster aus: Weniger Käufer, weniger Neuerscheinungen, sinkende Umsätze. Besonders dramatisch ist der Rückgang bei Jugendlichen. Nun versucht die Buchmesse, aus Lesern Fans zu machen.

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Werden immer mehr abgewählt: gedruckte Bücher

Werden immer mehr abgewählt: gedruckte Bücher

© Frank Rumpenhorst

Es ist nicht gerade die Stimmung, mit der eine Branche gern ihre große Bühne betritt: Kurz vor Beginn der Frankfurter Buchmesse blickt die Buchbranche auf sinkende Umsätze, weniger Käufer und vor allem auf eine Generation, die sich zunehmend vom Buch entfernt. Besonders junge Menschen lesen und kaufen deutlich weniger. Die Messe selbst versucht deshalb, aus Lesern Fans zu machen.

Die Zahlen sind ernüchternd. 2025 setzte die deutsche Buchbranche 9,62 Milliarden Euro um – 2,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Und der Abwärtstrend hat sich fortgesetzt: In den ersten acht Monaten dieses Jahres lag der Umsatz noch einmal drei Prozent unter dem Wert des Vorjahreszeitraums.

Auch Kinder- und Jugendbücher lagen im Minus

Besonders auffällig ist, wer sich vom Buchmarkt verabschiedet. Die Zahl der Buchkäufer sank 2025 insgesamt um knapp fünf Prozent. Bei den 10- bis 15-Jährigen brach sie sogar um mehr als 30 Prozent ein, bei den 20- bis 29-Jährigen um knapp 18 Prozent. Es sind also gerade die Jüngeren, um die sich die Branche zunehmend Sorgen macht.

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Dabei wird durchaus noch gelesen – nur offenbar anderes. Die Umsätze mit Belletristik stiegen 2025 um 1,2 Prozent, Young Adult legte um 4,8 Prozent zu, New Adult sogar um 9,6 Prozent. In vielen anderen Bereichen ging es dagegen bergab: Reisebücher verloren 11,6 Prozent, Ratgeber 8,1 Prozent und Sachbücher 4,6 Prozent. Auch Kinder- und Jugendbücher lagen mit minus 2,4 Prozent im Minus.

Weniger Bücher kommen zudem überhaupt erst auf den Markt. 2025 erschienen 52.644 Erstauflagen – fast zehn Prozent weniger als im Jahr zuvor. Auch die Zahl der ins Deutsche übersetzten Titel ging zurück. Im stationären Buchhandel sanken die Umsätze um 3,7 Prozent, während das Onlinegeschäft weitgehend stabil blieb. E-Books haben sich auf einem konstanten Niveau eingependelt. Ein deutlicher Gewinner ist dagegen das Hörbuch: Hier stiegen die Umsätze um mehr als 13 Prozent.

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Schwache Pisa-Ergebnisse zur Lesekompetenz

Hinter der Entwicklung steht allerdings nicht nur die Frage, ob die Menschen lieber digital hören als gedruckt lesen. Es geht offenbar um eine grundlegendere Veränderung: die Fähigkeit und die Bereitschaft, überhaupt noch längere Texte zu lesen.

Rund 20 Prozent der 16- bis 65-Jährigen in Deutschland – 10,6 Millionen Menschen – können nur schlecht lesen und schreiben. Darauf verweist die Stiftung Lesen mit Blick auf eine Sonderanalyse zur Entwicklung der Lese- und Schreibkompetenzen Erwachsener. Und auch bei den Schülern sieht es nicht besser aus. Nach der jüngsten Pisa-Studie fehlt jedem dritten 15-Jährigen die grundlegende Lesekompetenz.

Für Sebastian Guggolz, den Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, hängen beide Entwicklungen zusammen. „Rückläufige Buchkäufe unter Jugendlichen und die schwachen Pisa-Ergebnisse zur Lesekompetenz sind parallele Entwicklungen“, sagt er.

Die große Frage der Buchmesse lautet deshalb: Wie bekommt man Menschen wieder ans Buch – und vielleicht zunächst einmal wieder zum Lesen?

Messechef Juergen Boos setzt dabei weniger auf die klassische Aufforderung, doch bitte mal wieder ein Buch aufzuschlagen. Er will Emotionen schaffen, Bindungen an Autoren und Themen herstellen. „Die Rezeption ist heute eine andere“, sagt Boos. „Wir sehen eine Entwicklung vom Leser zum Fan.“

Die Frankfurter Buchmesse reagiert darauf ziemlich zeitgemäß: mit mehr Erlebnis. Im „Meet the Author“-Areal stehen Fans für Autogramme und Selfies an, dazu kommen in diesem Jahr neue Erlebniswelten mit Mitmachangeboten für Krimifans, Podcast-Hörer oder Comic-Liebhaber. Die Hoffnung dahinter: Wer erst Fan eines Autors oder eines Genres wird, greift vielleicht irgendwann auch wieder zum Buch.

Ausgerechnet die Buchmesse wird damit ein bisschen zur Gegenwelt des stillen Lesens: mehr Events, mehr Begegnung, mehr Selfies. Vielleicht ist das inzwischen der Preis dafür, dass überhaupt noch jemand wissen will, was zwischen zwei Buchdeckeln steckt. (mit dpa)

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