Jetzt spricht Horst Heldt. Der Manager des VfB Stuttgart verteidigt Borussia Mönchengladbach. Er findet es richtig, dass die Borussia gegen das 1:1 ihres Teams gegen 1899 Hoffenheim Protest eingelegt hat. Er sagt, es liege ein Präzedenzfall vor, da sei es wichtig, sich juristisch abzusichern - zwei Hoffenheimer Spieler waren zu spät zur Dopingkontrolle erschienen, und noch ist unklar, ob sie gesperrt werden. Heldt nennt es "anmaßend", die Gladbacher wegen ihres Protests zu verurteilen. Er meint Kollegen wie den Leverkusener Rudi Völler und den Hamburger Dietmar Beiersdorfer. Völler empfindet den Protest als "absoluten Witz". Beiersdorfer vermisst bei Gladbach die Solidarität mit Hoffenheim; er findet, man solle in dieser Angelegenheit lieber eine sportliche Lösung finden.Die Debatte, die die Bundesliga da führt, lässt tief blicken. In anderen Sportarten würde eine banale Formalie wie ein Protest als Selbstverständlichkeit zur Kenntnis genommen, sie taugte allenfalls zur Fußnote. Im deutschen Fußball aber verstört sie die Gemüter. Offenbar ist es also nötig, noch einmal, ganz langsam und zum Mitschreiben, festzuhalten: Es ist richtig und wichtig, dass die Gladbacher protestiert haben. Ob ihnen die zusätzlichen Punkte, die sie dadurch möglicherweise erhalten, sportlich helfen, ist nebensächlich. Es geht ums Prinzip. Es geht darum, dass es im Anti-Doping-Kampf Regeln gibt, die auch für Fußballer gelten - und dass der Bruch dieser Regeln bestraft werden muss, öffentlich, transparent und konsequent.Die Wortmeldungen der Herren Völler und Beiersdorfer legen den Schluss nahe, dass ihnen eine Hinterzimmerdiplomatie lieber wäre, ein kuscheliger Kompromiss, ausgehandelt in aller Stille von zwei Mitgliedern der lieben Fußballfamilie. Es wird Zeit, dass eine angeblich hoch professionelle Sportart endlich lernt, sich unangenehmen Themen mit all ihren Nebenwirkungen zu stellen. Schon um ein neues Problembewusstsein zu schaffen, ist der Gladbacher Protest wertvoll. Denn er sorgt dafür, dass zumindest für ein paar Tage niemand im deutschen Fußball das Thema Doping vergisst.
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