Satirische Kolumne

Lachen in Zeiten der Cholera: Warum die Pointe manchmal nur mit Abstand zündet

Diese Kolumne kommt spät. Aber manchmal muss auch ein Satiriker länger darüber nachdenken, warum und worüber er in den letzten Wochen gelacht hat, und warum und worüber nicht.

Philipp Schaller
9 Min

Nach meinem Abitur habe ich Zivildienst geleistet. Ich arbeitete als Klassenhelfer in einer Waldorfschule für Behinderte. Einmal machten wir einen Klassenausflug mit dem Lebenshilfe-Bus. Wir hielten vor einem Zebrastreifen und sahen einen gebrechlichen, alten Mann mit Hütchen, wie er sich mühselig über die Straße zitterte. Ein Windstoß kam auf und das Hütchen flog ihm vom Kopf. Alle im Bus lachten. Tobias, ein geistig behinderter Spastiker, der seltenst spontan lachte, lachte am lautesten. Sogar lauter als ich. Frau Birchel, die Sonderpädagogin, lachte nicht. „Der arme Mann!“, betonte sie, traurig über unsere verdorbenen Charakter.

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