Konzert

Gefährliche Soldaten tanzen Discofox: Laibach stürzt das Huxleys in Fieberträume

Die slowenische Skandal-Band Laibach bittet die Berliner mit einer Mischung aus Eurovision Song Contest und totalitärem Spektakel zum Massenexperiment.

Patricia Hempel
Patricia Hempel
6 Min
Milan Fras überlässt dem anonymen Laibach-Kollektiv immer wieder mal die Bühne.

Milan Fras überlässt dem anonymen Laibach-Kollektiv immer wieder mal die Bühne.

© Jordis Antonia Schlösser

Bei akustischer Folter werden Geräusche und Musik gezielt eingesetzt, um Menschen psychisch und körperlich zu zermürben. Eine solche simuliert das slowenische Avantgarde-Kollektiv Laibach in den ersten zwanzig Minuten vor Beginn des Konzerts im Huxleys Neue Welt: Man ist gefangen in einer Dauerschleife aus Industrial-Sound, die an den Gleichschritt von Soldaten erinnert. Im Dreisekundentakt schallt der Ruf „Laibach“.

Es ist unerträglich, aber irgendwie möchte man doch zu diesem Aufmarsch-Loop vom Tonband tanzen. Warum eigentlich? Jeder ist für sich auf die Folter gespannt und bereit für die totalitäre Übernahme durch Laibach.

Der geschulte Fan weiß, was die nächsten anderthalb Stunden auf ihn zukommen müsste: musikalische Kundgebungen von Sänger Milan Fras in Bergarbeiterkluft, provokative Nazi-Metaphern und martialischer Industrial-Sound, der einst Rammstein inspirierte und die Diktatur auf der Tanzfläche in Schach hält. Doch beim neuen Album „Musick“ kommt alles ganz anders.

Nach „Spectre“ und damit nach zwölf Jahren Quasi-Abstinenz ist es ein lang erwartetes Studioalbum mit eigenen Songs. Als Produzent war unter anderem Richard X beteiligt, der auch mit Goldfrapp, New Order und den Sugababes gearbeitet hat.

Vor allem jene Laibach-Fans, die vor dem Späti nebenan zu den alten Platten aus dem Ghettoblaster vorglühen, werden es das schlechteste Konzert aller Zeiten nennen. Oder vielleicht: Die fetischisierte Fiebertraumversion eines Eurovision Song Contests – aber ganz sicherlich weit unter gewohntem Laibach-Niveau.

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