PRENZLAUER BERG. Mit einem Mal verlangten die Lieferanten Bargeld, Freunde und Bekannte riefen bei Frank Isenthal an und fragten verwundert, warum sein Klub pleite sei. Der Geschäftsführer des "Soda"-Klub spricht von einem großen Imageschaden, seit die Kulturbrauerei gGmbH im Mai Insolvenz anmelden musste. Die Pleite des Unternehmens wirkt sich auch auf viele Kulturanbieter aus, die auf dem Gelände der Kulturbrauerei ansässig sind, aber mit der Kulturbrauerei nichts zu tun haben.156 000 Euro Schulden hat das senatsgeförderte Unternehmen in elf Jahren erwirtschaftet. Heute sollten in der Kulturbrauerei endgültig die Lichter ausgehen. Das große und kleine Kesselhaus sowie die Galerie im Pferdestall sollten geschlossen, das Inventar versteigert werden. Doch das Licht bleibt an, es wird weitergehen. Der Senat wird in den Mietvertrag der insolventen GmbH eintreten, bestätigte gestern der Sprecher der Senatskulturverwaltung, Torsten Wöhlert. In den nächsten Tagen soll der Vertrag mit dem Eigentümer des Geländes, der Treuhand Liegenschaftsgesellschaft (TLG), unterzeichnet werden. Dann zahlt das Land die Miete für 1 500 Quadratmeter zu günstigen Konditionen, wie Klaus Adams, Geschäftsführer der TLG-Tochter Objektgesellschaft Kulturbrauerei, sagt. Adams hofft auf einen nahtlosen Übergang, was den Betrieb des Kesselhauses betrifft. Bereits zum 1. August soll ein neuer Betreiber das große und kleine Kesselhaus übernehmen. Dabei soll es sich um einen Veranstalter aus Berlin handeln, der bereits Erfahrungen mit anderen Klubs und Einrichtungen hat. Das Kesselhaus gilt seit vielen Jahren als Herzstück der Kulturbrauerei. Dort fanden zahlreiche Konzerte, Lesungen und Theaterveranstaltungen statt. Zu besonderen Anlässen wie Christopher Street Day oder Love Parade gab es stets gut besuchte Partys. Gleichzeitig sah der frühere Geschäftsführer der Kulturbrauerei gGmbH, Thomas Wohlfahrt, im Kesselhaus den Höhepunkt des Missmanagements. Allein 60 000 Euro Schulden gehen auf das Konto des früheren Betreibers. Das wirtschaftlich erfolgreiche Kesselhaus war die wichtigste Einnahmequelle der Kulturbrauerei gGmbH, wurde jedoch einem Privatbetreiber überlassen, der die Gewinne einstrich. Dagegen wurden Einnahmen aus Betriebskosten von Untermietern nicht an die TLG abgeführt. "Soda"-Betreiber Frank Isenthal hofft auf einen kulturellen Neubeginn für die Kulturbrauerei. Das "Soda", die Literaturwerkstatt, das Ufa-Kino und Agenturen, die auf dem Brauerei-Gelände angesiedelt sind, haben sich jetzt zu einer Werbegemeinschaft zusammengeschlossen. Es gehe darum, gemeinsame Hofaktivitäten zu planen, sagt Isenthal. Ein gemeinsamer Internetauftritt ist vorgesehen, auch Kulturfestivals und Hoffeste sind im Gespräch. "Es wird Zeit, dass wieder Besucher in die Kulturbrauerei kommen", sagt Frank Isenthal. Ein Anfang scheint gemacht. Zum 1. Open-Air-Klassiksommer, den Isenthal organisiert hat, kamen bereits tausende Zuschauer. Am Freitag, Sonnabend und Sonntag gibt es noch Vorstellungen auf der Sommerbühne."Bis zum Jahre 2004 müssen wir wissen, wohin wir künftig mit der Kulturbrauerei wollen. " Torsten Wöhlert, Senatskulturverwaltung
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