Wohnen

Landeseigene erhöhen Mieten nach Berlin-Wahl: 90.000 Haushalte betroffen

Ausgerechnet nach dem Wahlsieg der Linken in Berlin verschicken die landeseigenen Wohnungsunternehmen jetzt Mieterhöhungen. Wie stark steigen die Mieten?

Katharina Erschov
Katharina Erschov
4 Min
Die sieben landeseigenen Wohnungsunternehmen verschicken derzeit Mieterhöhungen.

Die sieben landeseigenen Wohnungsunternehmen verschicken derzeit Mieterhöhungen.

© Jens Kalaene/dpa

Die landeseigenen Wohnungsunternehmen haben bei mehreren Zehntausend Berliner Wohnungen Mieterhöhungen angekündigt. Nach Angaben von Ingo Malter, Geschäftsführer des landeseigenen Wohnungsunternehmens Stadt und Land, bewegen sich die Erhöhungen bei den meisten betroffenen Haushalten im Bereich von 15 bis 30 Euro monatlich. Das sagte Malter am Mittwoch bei einer Pressekonferenz des BBU Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen in Berlin.

Die Unternehmen hielten dabei die mit dem Land vereinbarten Grenzen ein, betonte Malter. Im Schnitt dürfen die Mieten über den gesamten Wohnungsbestand eines Unternehmens um höchstens 2,9 Prozent pro Jahr steigen; für einzelne Wohnungen sind maximal elf Prozent innerhalb von drei Jahren zulässig. Damit gelten für die Landeseigenen strengere Vorgaben als auf dem übrigen Berliner Mietmarkt, wo Bestandsmieten um bis zu 15 Prozent – allerdings höchstens bis zur ortsüblichen Vergleichsmiete – steigen dürfen.

Zuschläge von mehr als 100 Euro sind Malter zufolge nur bei sehr großen Wohnungen von mehr als 100 Quadratmetern zu erwarten. Über das gesamte Jahr 2026 gesprochen, werden etwa 90.000 Haushalte betroffen sein.

Erhöhungen erreichten Mieter kurz nach der Wahl

Brisant ist der Zeitpunkt der Mieterhöhungen. Ein Teil von ihnen wurde unmittelbar nach der Abgeordnetenhauswahl am 20. September verschickt. „Offensichtlich haben die Landesunternehmen nur den Wahlkampf abgewartet, um nun noch schnell Tatsachen schaffen zu wollen“, erklärte Niklas Schenker, mietenpolitischer Sprecher der Linke-Fraktion im Abgeordnetenhaus. „Der Senat muss jetzt sofort eingreifen, die Mieterhöhungen stoppen und zurücknehmen“, fordert er.

Malter weist einen Zusammenhang mit dem Wahlausgang in der Pressekonferenz allerdings zurück. Die Erhöhungen seien „unabhängig von politischem Geschehen“ geplant worden. Bereits ausgesprochene Mieterhöhungen könnten zwar theoretisch zurückgenommen werden. Malter warnte jedoch davor: Wer das fordere, wolle, dass Berlin „in einem wesentlichen Teil seiner Wirtschaftskraft“ gebremst werde, sagte der Geschäftsführer von Stadt und Land.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

In ihrem Wahlkampf und im Parteiprogramm hatte die Linke einen Mietendeckel für landeseigene Unternehmen gefordert. Die Bestandsmieten der Berliner BBU-Mitgliedsunternehmen lagen Ende 2025 im Schnitt bei 7,18 Euro nettokalt pro Quadratmeter. Zum Verband gehören neben Genossenschaften und weiteren Wohnungsunternehmen auch die sechs landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften sowie die Berlinovo. „Ein Mietendeckel kann uns nicht begeistern“, sagte Malter. Eine Kappung der Mieten hätte Auswirkungen auf Investitionen der landeseigenen Unternehmen.

Berlin: Landeseigene Wohnungsunternehmen begründen Mieterhöhungen mit gestiegenen Kosten

Auch von noch schärferen Regulierungen des Mietmarktes, etwa durch Vergesellschaftungen, rät Malter ab. Er plädiert für Zusammenarbeit zwischen allen Akteuren auf dem Berliner Wohnungsmarkt. „Wir sind auf viele private Investoren und Einzelpersonen angewiesen“, betont er und verweist darauf, dass ein Eigentümerwechsel allein noch keinen „Quadratmeter Neubau“ und auch keine Investitionen in die Wärmewende fördern würde.

Die Mieterhöhungen begründen die Unternehmen mit einem stark veränderten wirtschaftlichen Umfeld. Zwischen 2016 und 2025 seien die Neubaukosten um rund 81 Prozent gestiegen. Die Instandhaltungs- und Instandsetzungskosten sogar um 93,2 Prozent. Im gleichen Zeitraum seien die Bestandsmieten der landeseigenen Unternehmen dagegen nur um 22,1 Prozent gestiegen – gegenüber 27,4 Prozent bei den Verbraucherpreisen und 44,3 Prozent beim Nominallohnindex.

Die hohen Bau- und Handwerkspreise bewerten die Landeseigenen als große Herausforderung. „Wir rechnen schon heute mit sehr spitzem Bleistift und ziehen alle Register, um moderate Mieten und hohe Investitionen miteinander in Einklang zu bringen. Die Spielräume in diesem Spannungsfeld sind ausgeschöpft“, sagte Malter.

Malter: Landeseigene ein großer Hebel für Wertschöpfungskette

Der Ankündigung von Mieterhöhungen stellt Malter aber auch die Bedeutung der Landeseigenen gegenüber. Eine am Mittwoch vorgestellte Untersuchung der Investitionsbank Berlin beziffert ihre wirtschaftliche Gesamtwirkung für 2024 auf 4,8 Milliarden Euro. Davon entfielen 1,71 Milliarden Euro auf die Unternehmen selbst, weitere rund 3,1 Milliarden Euro entstanden rechnerisch über Lieferketten und Konsumausgaben. Rund 70 Prozent der Gesamtwirkung verblieben demnach in Berlin.

Auch bei der Schaffung neuen Wohnraums hebt Malter die Bedeutung landeseigener Unternehmen und ihre stabilisierende Rolle hervor. Trotz Zinsschocks, gestiegener Materialpreise und regulatorischer Unsicherheiten seien 5019 neue Wohnungen fertiggestellt worden, wo private Investoren ihre Bauvorhaben aufgeschoben oder ganz gestoppt hätten, sagte Claus Pretzell, Volkswirt der Investitionsbank Berlin, bei der Pressekonferenz.

Bei insgesamt nur rund 11.000 fertiggestellten Wohnungen in Berlin – dem niedrigsten Stand seit zehn Jahren – entfiel damit fast jede zweite neue Wohnung auf die Landeseigenen. Zugleich wollen die Landeseigenen ihren Bestand weiter ausbauen und bis 2035 weitere rund 56.000 Wohnungen errichten.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner