Fahrbarer Mittagstisch, Kita- und Seniorenheimbetreuung, Rettungseinsätze oder Krankentransporte vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) - ob es das auch künftig gibt, ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt fraglich. Rund 100 Millionen Mark Schulden hat der Landesverband des DRK, das diese Dienste anbietet. Am 1. August wird ein Insolvenzverfahren eröffnet. Darauf verwies gestern Rechtsanwalt und Verwalter Udo Feser auf einer Betriebsversammlung. Die Sozialstationen sind davon unberührt, sie unterstehen den Kreisverbänden, die rechtlich selbstständig sind und wirtschaftlich unabhängig vom Landesverband arbeiten.Private Träger von sozialen Einrichtungen sowie andere Wohlfahrtsverbände beobachten die Situation beim DRK mit großem Interesse. Aus gutem Grund: Ihr Ziel ist es, so schnell wie möglich Einrichtungen des Landesverbandes zu übernehmen. Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) will nach Aussage eines Mitarbeiters erst einmal abwarten. "Die Fachleute sind über die Einrichtungen aber so gut informiert, dass man schnell handeln kann", sagt er. Zwei Einrichtungen hat die AWO bereits vom DRK erworben: eine Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Wedding sowie ein Flüchtlings-Wohnheim in Pankow. Beim größten Sozialträger, dem Paritätischen Wohlfahrtsverband, steht man bereits in Warteposition. "Wenn das Rote Kreuz Träger sucht, helfen wir selbstverständlich gern", sagt Geschäftsführer Oswald Menninger.Gehälter sind gesichertInsolvenzverwalter Feser strebt demgegenüber an, mit den Gläubigern einen Vergleich zu schließen und das mit 100 Millionen Mark verschuldete DRK umfassend zu sanieren. Bereiche des Unternehmens auszugründen oder anderen Trägern zu geben, wäre eine zweite Variante. "Schlimmstenfalls müsste das DRK aufgelöst werden, das steht aber derzeit nicht zur Diskussion", sagt Feser. In den kommenden drei Monaten müsse ein Sanierungskonzept erarbeitet werden, dem die Gläubiger dann zustimmen müssen. Bis dahin werde der Betrieb auf jeden Fall wie bisher weiterlaufen. Lieferanten, die in der Vergangenheit nicht alle Rechnungen vom DRK-Landesverband bezahlt bekommen haben, würden weiter ihre Aufträge erfüllen.Die Gehälter der rund 650 Mitarbeiter des Landesverbandes sind nach Einschätzung von Feser in den kommenden drei Monaten gesichert. Die Bundesanstalt für Arbeit werde für die nächsten drei Monate einen zinslosen Kredit von rund sieben Millionen Mark bereitstellen, mit dem die Gehälter gezahlt werden können. Dies sei gesetzlich möglich, sagt Feser. Die DRK-Betriebsratsvorsitzende Ulrike Kremer kritisiert, dass weder Geschäftsführung noch Präsidium bereit seien, konkret zu der Finanzmisere Stellung zu beziehen. "Wir fordern, dass jemand Verantwortung übernimmt - aber nichts geschieht", sagt Ulrike Kremer.Essen für Senioren // Zum Landesverband des DRK gehören unter anderem zwölf Kindertagesstätten mit rund 1 000 Plätzen, ein "fahrbarer Mittagstisch" für 4 000 Senioren, ein Krankentransportunternehmen sowie ein Rettungsdienst, der in vier Feuerwachen stationiert ist. Alle Bereiche werden trotz Insolvenzverfahren wie bisher weiterarbeiten.Finanziell sehr lukrativ sind besonders die zwei Pflegeheime sowie die zehn ambulanten und stationären Einrichtungen für psychisch Kranke.Die zehn Kreisverbände des DRK sind von dem Insolvenzverfahren nicht betroffen. Sie arbeiten eigenständig und betreiben Sozialstationen, Behinderten-, Senioren- und Pflegeeinrichtungen. In einzelnen Bereichen hängen sie allerdings vom Landesverband ab - beispielsweise beim Bezahlen von Betriebsrenten. Der Großteil der Häuser ist im Besitz des DRK-Landesverbandes.
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