Weinbau

Kein „Ausverkauf“: Ministerium widerspricht Berichten über Kloster Pforta

Ein Gutachten warnt: Kloster Pforta droht 2027 die Pleite. Das Land reagiert mit einem harten Sparkurs, doch parallel fließen Millionen in die Gebäude.

5 Min
Winzerin Anne Hausschild vom Landesweingut Kloster Pforta sammelt die geernteten Trauben in einer Bütte am Weinberg. (Archivbild)

Winzerin Anne Hausschild vom Landesweingut Kloster Pforta sammelt die geernteten Trauben in einer Bütte am Weinberg. (Archivbild)

© Jennifer Brückner

Dem Landesweingut Kloster Pforta droht die Insolvenz. Ein von der Landesregierung in Auftrag gegebenes Gutachten kommt zu einem klaren Ergebnis: Ohne einschneidende Maßnahmen wird das Traditionsgut in Sachsen-Anhalt spätestens 2027 zahlungsunfähig und überschuldet sein. Das berichtete die Mitteldeutsche Zeitung unter Berufung auf das ihr vorliegende Papier.

Betroffen ist das nach Angaben der Stadt Naumburg größte Weingut der Region Saale-Unstrut. Für Weinliebhaber, Touristen und Steuerzahler im Land stellt sich damit eine drängende Frage: Lässt sich das landeseigene Gut noch retten – und wenn ja, zu welchem Preis? Doch das Finanzministerium tritt einer zentralen Darstellung nun entgegen: Von einem „Ausverkauf“ der Rebflächen könne keine Rede sein. Was also steckt hinter dem Rettungsplan – und wie ernst ist die Lage wirklich?

Was das Gutachten über die Finanzlage sagt

Die Analyse stammt von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ecovis. Deren Fazit fällt deutlich aus: Das Geschäftsmodell sei „im aktuellen Zustand nicht zukunftsfähig, da es dauerhaft Verluste erwirtschaftet“. Ohne Gegensteuern führe dies bis spätestens 2027 in die Zahlungsunfähigkeit.

Besonders alarmierend ist die Liquiditätslage. Aus eigener Kraft könne das Weingut seine Zahlungsfähigkeit „seit längerem“ nicht mehr sichern, so die Prüfer. Kredite am Markt aufzunehmen, sei ebenfalls nicht mehr möglich.

Die Verluste der vergangenen Jahre haben laut Gutachten die vorhandenen Mittel „vollständig verzehrt“. Das Gut lebt damit faktisch von seiner finanzstarken Muttergesellschaft, der Landgesellschaft Sachsen-Anhalt.

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Spätfrost, teure Produktion, weniger Wein-Konsum

Auf die Frage nach den Gründen für die Dauerverluste verweist das Finanzministerium auf ein Bündel von Belastungen. „Gestiegene Produktionskosten, aber auch ein verändertes Konsumverhalten setzen den deutschen Weinbau unter Druck“, teilt Pressesprecherin Nancy Eggeling dieser Zeitung mit.

Beim Landesweingut kamen laut Ministerium schwere Witterungsereignisse hinzu: Trockenperioden, Starkregen und vor allem der Spätfrost des Jahres 2024. Dieser habe den Rebbestand, also die gepflanzten Rebstöcke, geschädigt und dazu geführt, „dass die Ertragslage des Weingutes nicht mehr kostendeckend war“. Eine Anpassung des Geschäftsmodells und der Kostenstruktur sei daher nötig geworden, „um eine andernfalls drohende Zahlungsunfähigkeit abzuwenden“, so Eggeling.

Der Blick auf die Branche stützt die Ministeriumsangaben teilweise: Nach Zahlen des Deutschen Weininstituts sank der Absatz deutscher Weingüter 2024 um 6,6 Prozent, der Pro-Kopf-Konsum ging weiter zurück. Ein allgemeiner Flächenschwund im Land erklärt die Krise aber nicht. Laut Statistischem Landesamt wuchs die Rebfläche in Sachsen-Anhalt zwischen 2015 und 2025 von 668 auf 756 Hektar. Die Probleme liegen also offenbar stärker im Geschäftsmodell des einzelnen Guts als im Weinbau des Landes insgesamt.

Der Rettungsplan: kein Ausverkauf, sondern Umbau

Anders als teils berichtet, wird die Rebfläche laut Ministerium nicht dauerhaft halbiert. „Das Landesweingut wird auch künftig weiterhin 50 Hektar Rebfläche bewirtschaften, davon allerdings nur 23 Hektar mit eigenem Personal“, stellt Eggeling klar. Die übrige Fläche solle über Bewirtschaftungsverträge bearbeitet werden. Die Sorge vor einem „Ausverkauf von Flächen“ sei „insoweit unbegründet“.

Am 4. August 2026 hat die Landesregierung ein neues Betriebskonzept beschlossen. Es leitet eine rund vierjährige Transformationsphase ein und wurde mit externen Wirtschafts- und Weinmarktexperten erarbeitet.

Das Maßnahmenpaket umfasst laut Ministerium liquiditätsstärkende Hilfen der Muttergesellschaft, Kosteneinsparungen, eine neue Vertriebsstrategie sowie die Konzentration auf strategisch wichtige Ertragsrebflächen. Die Gutachter gehen nach der Transformationsphase von einer „nachhaltigen, wirtschaftlich positiven Fortführungsprognose“ aus.

Wachstum trotz Krise: der Edeka-Effekt

Ein scheinbarer Widerspruch löst sich bei näherem Hinsehen auf: Trotz Umbau soll der Absatz an bestimmten Stellen wachsen. „Gerade im Lebensmitteleinzelhandel und im Großhandel entwickelte sich der Absatz der Weine des Landesweinguts sehr positiv“, so Eggeling.

Der Edeka-Regionalpreis für Sachsen-Anhalt, den das Gut im Januar 2026 für seinen Weißburgunder erhielt, sorge dabei „für zusätzliche Aufmerksamkeit und höhere Absatzchancen“. Das Ministerium wertet dies als Bestätigung des eingeschlagenen Weges.

Teil der neuen Vertriebsstrategie sei es, erfolgreiche Vertriebswege „noch konsequenter auszubauen“.

Sieben Millionen für die Gebäude – Widerspruch oder Investition?

Bemerkenswert bleibt ein Spannungsfeld: Während der Betrieb umgebaut wird, fließen laut Landesportal Sachsen-Anhalt bis 2027 rund sieben Millionen Euro in die denkmalgerechte Sanierung der historischen Gebäude, darunter Fachwerkbauten aus dem 17. Jahrhundert.

Das Ministerium widerspricht deshalb der Deutung des Entwicklungskonzeptes als reiner Sparfall. Es handele sich „nicht um reine Sparmaßnahmen, sondern um eine erforderliche Strukturanpassung“, so Eggeling. Teil der Planungen seien auch die Sanierung des Standorts und Investitionen in moderne Weinbau- und Kellertechnik. Geschäftsführer Jörg Erdmann bezieht sich auch auf die Bedeutung des Standorts: „Die Weinbauhistorie der Saale-Unstrut-Region ist wichtiger Teil der Identität und wichtig für die Außenwahrnehmung von Sachsen-Anhalt als Genussland“, wird er auf dem Landesportal zitiert.

Das erklärte Ziel formuliert das Ministerium so: Das Gut solle künftig seine Kosten „aus eigener Wertschöpfung“ tragen, angemessene Gewinne erwirtschaften und die Gesellschafterdarlehen „sukzessive wieder zurückzahlen“. Man arbeite daran „mit Hochdruck“.

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