Landesweiter Wettbewerb für Jugendbands startet am Freitag

Rock gegen Rechts

Andrea Beyerlein
3 Min

POTSDAM. Carsten Hiller ist Schlagzeuger der Hardrock-Band Fahrenheit 212. "Die Wahl zu haben, ist für uns eine ganz elementare Sache", sagt er. "Die Wahl, wo man hinreist. Die Wahl, welche Musik man macht oder hört. Sonst bestimmen andere über einen." Deswegen gehört die Band aus Fürstenwalde zu den Mitorganisatoren der "Soundwahl", eines ungewöhnlichen Musikwettbewerbs für Jugendbands aus Brandenburg und Berlin im Superwahljahr 2009."Wir wollten nicht immer nur reagieren", sagt Angelika Thiel-Viegh, die Leiterin der Koordinierungsstelle Tolerantes Brandenburg beim Bildungsministerium. Denn nicht nur einmal überraschten Akteure der rechtsextremen NPD mit Schulhofaktionen, bei denen CDs rechter Bands verteilt wurden. Besonders in Wahljahren. Gemeinsam mit der "Kreuzberger Musikalischen Aktion" (KMA) entstand die Idee zur "Soundwahl".Der Startschuss fällt am Freitag tief im Süden Brandenburgs im Freizeitzentrum "Pegasus" in Senftenberg. Weitere Wettbewerbskonzerte, sogenannte "Bandcontests", finden bis Ende Januar in Neuruppin, Rathenow und Eisenhüttenstadt statt. Als Teilnahmevoraussetzung gilt: Die Wettbewerbsstücke müssen deutsche Texte haben und sich mit den Themen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt auseinandersetzen. Anmeldungen sind - auch via Internet - noch möglich.Die 16 Gewinner-Songs werden auf einer "Soundwahl"-CD veröffentlicht, die unter anderem an Schulen kostenlos verteilt werden soll. Die Bands sind dann bei einem großen Konzert im Potsdamer Lindenpark Ende März dabei und auch bei den bis September stattfindenden Touren durch Brandenburg, für die ein "Soundwahl"-Truck bereitsteht. Filme der Auftritte sollen im Internet präsentiert werden.Proben in BerlinDer Verein KMA unterhält Probe-Räume für Bands in der Berliner Friedrichstraße. Dort gibt es auch ein professionelles Tonstudio. Mit seinem "Startruck", der jetzt für die "Soundwahl" hergerichtet wurde, tourt Wolfhard Schulze von KMA schon seit dem Jahr 2000 durch Brandenburg. "Das war auch eine Aktion gegen die sogenannten national befreiten Zonen", sagt er. "Mit dem Mobil können wir in jedem Dorf anhalten und Programm für die Kids machen."Ziel der "Soundwahl" sei es, vor allem junge Wähler zu erreichen und sie für die Auseinandersetzung mit rechtem Gedankengut zu sensibilisieren, erklärt Bildungsstaatssekretär Burkhard Jungkamp. Rund 40 000 Euro werden für den Wettbewerb, die CD-Produktion und Konzerte eingesetzt. Weitere Aktionen für alle Altersgruppen seien im Rahmen des von der Landesregierung initiierten "Toleranten Brandenburg" im Wahljahr geplant.Das seit zehn Jahren aufgebaute Netzwerk gilt als bundesweit beispielhaft. Nach einer Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung aus dem vergangenen Jahr vertreten zwar noch immer ein Drittel der Brandenburger fremdenfeindliche Tendenzen. Entgegen dem Bundestrend ist der Anteil in den vergangenen zwei Jahren aber stark rückläufig - um 15 Prozent."Es gibt inzwischen einen Haufen Leute, die in Brandenburg gegen Rechtsextremismus unterwegs sind", sagt Carsten Hiller, der Schlagzeuger von Fahrenheit 212. Dass die im Land aktiven Nazi-Bands den Nerv mancher Jugendlicher träfen, die sich abgehängt fühlten, könne er durchaus verstehen. In den Texten seiner Band gehe es teils um die gleichen Kritikfelder. "Die Probleme sind ja da. Aber die Lösungsansätze der Nazis sind nicht diskutabel."------------------------------16 TitelSoundwahl. An dem Wettbewerb, der am Freitag beginnt, können sich Nachwuchsbands aus Brandenburg und Berlin beteiligen.Musik. Die Musikrichtung ist völlig frei, die Songs müssen aber deutsche Texte haben, die sich gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt richten.Termine. Bis Ende Januar werden in landesweit vier Wettbewerbs-Konzerten die 16 besten Titel gekürt und später auf einer Sampler-CD veröffentlicht. Ende März findet ein großes Konzert in Potsdam statt.Mehr Informationen im Internet:www.soundwahl.de

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