Mecklenburg-Vorpommern

„Lasst die AfD endlich mal machen“: DDR-Star Katrin Sass über das Wahlbeben in ihrer Heimat

Schauspielerin Katrin Sass blickt auf die Wahl in ihrer Heimat. Nach dem AfD-Wahlsieg kritisiert sie die Brandmauer – und findet lobende Worte für Manuela Schwesig.

Jacqueline Albrecht
4 Min
Schauspielerin Katrin Sass ist in Mecklenburg-Vorpommern geboren.

Schauspielerin Katrin Sass ist in Mecklenburg-Vorpommern geboren.

© Stefan Sauer

„Was ist denn das für eine Demokratie, wenn man von vornherein diese Brandmauer aufbaut?“ Katrin Sass hat auf diese Frage eine klare Antwort. Die Schauspielerin und Sängerin ist in Schwerin geboren und aufgewachsen und gilt als eine der bekanntesten Schauspielerinnen der DDR. Ihre Meinung ist klar: Sie hält die politische Abgrenzung zur AfD für einen Fehler.

Vor zwei Jahren ist Sass in ihre Heimat zurückgekehrt. Ihre politische Haltung hat sich mit der Zeit durchaus verändert. Seit der Wende habe sie immer CDU gewählt. Heute blickt sie auf die Landespolitik mit anderen Augen – und findet insbesondere für Schwesig deutliche Worte.

„Ich bin in diesen zwei Jahren völlig begeistert von der Frau Schwesig“, sagt Sass. Die Ministerpräsidentin habe eine „unglaublich tolle Aufholjagd“ hingelegt. Sass lobt auch ihre politische Art: Schwesig spreche über Dinge, die sie befürworte, statt nur gegen andere zu argumentieren. „Sie gehört nicht zu denen, die schießt. Sie spricht über Für und nicht über Gegen.“ Dass die SPD trotz Verluste weiterhin auf 35,5 Prozent kommt, überrascht Sass deshalb nicht. Sie führt das auch auf die Arbeit der Ministerpräsidentin zurück. Gleichzeitig sieht sie im Wahlergebnis eine deutliche Reaktion auf die Politik der vergangenen Jahre, insbesondere im Hinblick auf die Unzufriedenheit mit der Bundespolitik und Kanzler Merz.

Brandmauer sei ein massiver Fehler

Vor allem die Brandmauer zur AfD hält Sass für falsch. „Das war genau der Fehler“, sagt sie. Gerade im Osten habe sich das in ihren Augen besonders stark ausgewirkt. „Es ist eine ganz normale Reaktion der Menschen im Osten, die sich jetzt schon wieder bevormundet fühlen“, beschreibt sie im Interview. Auch in Gesprächen mit ihrem privaten Umfeld merke sie das deutlich. „Ein Freund sagte zu mir: Katrin, das, was da in Sachsen-Anhalt gelaufen ist, ist die Rache der Ossis.“ Die Schauspielerin verweist dabei auch auf die unterschiedlichen Erfahrungen nach der Wiedervereinigung.

Für Sass selbst war der Mauerfall ein Schlüsselerlebnis. „Für mich war die Freiheit alles“, sagt sie. Andere Menschen im Osten hätten die Zeit nach 1990 jedoch anders erlebt. Sie hätten ihre Arbeitsplätze nicht verlassen können und sich mit Fragen nach beruflicher Sicherheit und Rente auseinandersetzen müssen. „Jetzt entsteht wieder Ost-West, was ja ganz furchtbar ist. Ich habe das Gefühl, es ist gerade die Mauer gefallen“, beschreibt Sass. Die aktuelle Entwicklung erinnere sie teilweise an ihre Zeiten in der DDR.

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Bundeskanzler und Parteivorsitzender der CDU Friedrich Merz auf der Pressekonferenz nach den Landtagswahlen in Berlin und Mecklenburg Vorpommern im Konrad-Adenauer-Haus

Bundeskanzler und Parteivorsitzender der CDU Friedrich Merz auf der Pressekonferenz nach den Landtagswahlen in Berlin und Mecklenburg Vorpommern im Konrad-Adenauer-Haus

© IMAGO

Den Erfolg der AfD erklärt die Schauspielerin deshalb nicht ausschließlich mit Protest. Sie kenne Ärzte, Lehrer und Handwerker, die ihr ausdrücklich sagten, dass sie die Partei wählten, weil es „so nicht weitergehen“ könne. Dieser Meinung stimme sie deutlich zu. Dass Menschen die AfD tatsächlich wegen ihrer politischen Positionen wählten, müsse man aus ihrer Sicht ernst nehmen.

„Lasst die AfD endlich mal machen“

Ihre Konsequenz daraus ist klar: Die AfD müsse politisch die Möglichkeit bekommen, zu zeigen, was sie tatsächlich umsetzen könne. Mit Blick auf Sachsen-Anhalt, wo die Partei ebenfalls stärkste Kraft wurde, sagt Sass: „Lasst sie endlich mal machen und nicht einfach nur schießen, ohne dass sie was getan haben.“ Für Mecklenburg-Vorpommern sei die Situation allerdings eine andere. Die AfD müsse zunächst überhaupt einen Partner für eine Regierung finden. Sass fordert deshalb einen anderen Umgang mit der AfD und dass die anderen Parteien offener für Gespräche mit ihr werden: „Wir sind doch in einer Demokratie, oder nicht? Also sollte man das tun und dann wird man sehen, was daraus wird.“

Ihre eigene Nähe zu Mecklenburg-Vorpommern hat das Wahlergebnis für Katrin Sass trotzdem nicht verändert. Auf die Frage, ob sie sich ihrer Heimat nach der Wahl näher oder fremder fühle, antwortet sie: „Ich fühle mich einfach ganz, ganz wohl hier.“ Die Rückkehr habe ihr einen neuen Blick auf ihre Heimat ermöglicht. Schwerin empfinde sie als friedlich und schön. Sie sei inzwischen „ganz wunderbar verwurzelt“ und „ganz glücklich“ – und daran könne auch ein Wahlergebnis nichts ändern.

Bei der Landtagswahl am Sonntag wurde die AfD mit 38,2 Prozent erstmals stärkste Kraft in Mecklenburg-Vorpommern. Die SPD von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig kam auf 35,5 Prozent. CDU und BSW scheiterten knapp an der Fünf-Prozent-Hürde. Eine Regierung unter Beteiligung der AfD ist derzeit nicht absehbar, weil ihr die notwendigen Koalitionspartner fehlen.

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