Arktis

„Direkte Bedrohung für Russland“: Lawrow warnt Nato vor Konfrontation in der Arktis

Russland sieht die wachsende Nato-Präsenz im hohen Norden als direkte Bedrohung. Moskau warnt vor Zwischenfällen mit katastrophalen Folgen.

4 Min
Der russische Außenminister Sergej Lawrow

Der russische Außenminister Sergej Lawrow

© Sergei Karpukhin/Pool Sputnik Kremlin/AP

Russlands Außenminister Sergej Lawrow hat die Nato vor einer weiteren Ausweitung ihrer militärischen Aktivitäten in der Arktis gewarnt. Übungen und Truppenbewegungen des Bündnisses erhöhten das Risiko einer bewaffneten Konfrontation, schrieb Lawrow in einem am Montag vom russischen Außenministerium veröffentlichten Beitrag.

„Eine solche militärische Aktivität im hohen Norden stellt eine direkte Bedrohung für die Sicherheit Russlands dar“, erklärte Lawrow darin. Die Gefahr von Zwischenfällen, die einen bewaffneten Konflikt mit „möglicherweise katastrophalen Folgen“ auslösen könnten, nehme zu.

Der Außenminister warf den Nato-Staaten vor, die Arktis gezielt zu militarisieren und dort neue internationale Spannungen zu schaffen. In unmittelbarer Nähe zu den russischen Grenzen liefen intensive militärische Vorbereitungen. Dazu gehörten groß angelegte Übungen unter Beteiligung von Staaten außerhalb der Region und der Ausbau von Führungsstrukturen.

Nato baut Präsenz im hohen Norden aus

Im Mittelpunkt von Lawrows Kritik steht die im Februar gestartete Nato-Aktivität „Arctic Sentry“. Sie soll die nationalen militärischen Aktivitäten der Bündnisstaaten in der Region stärker koordinieren und nach Nato-Angaben die Abschreckungs- und Verteidigungsfähigkeit verbessern.

Die Allianz verweist darauf, dass inzwischen sieben der acht Arktisstaaten der Nato angehören. Durch den Beitritt Finnlands und Schwedens habe sich die strategische Lage im Norden grundlegend verändert. Im Juni richtete das Bündnis zudem multinationale Landstreitkräfte in Finnland ein. Die dazugehörigen Einheiten sind in Nordschweden und im finnischen Rovaniemi stationiert.

Auch Norwegen verstärkte zuletzt eine neu geschaffene Brigade mit Hauptquartier in der Arktis. Hinzu kommen ein Nato-Zentrum zur Koordinierung von Luftoperationen im norwegischen Bodø sowie Investitionen in Satelliten, Aufklärungssysteme, Drohnen, Eisbrecher und andere für extreme Kälte geeignete Ausrüstung.

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Eisberge brechen von einem Gletscher in einen Fjord in Grönland.

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© David Goldman/AP

Nato verweist auf russische Aufrüstung

Die Nato begründet ihre Maßnahmen ihrerseits mit der wachsenden strategischen Bedeutung der Region und der russischen Militärpräsenz. Moskau habe ein eigenes Arktiskommando eingerichtet, frühere sowjetische Stützpunkte wiedereröffnet und neue Waffensysteme getestet.

Russland verfügt nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters über die umfangreichste militärische Infrastruktur in der Arktis. Zur dort stationierten Nordflotte gehören auch atomar bewaffnete U-Boote.

Neue Seewege machen Arktis interessant

Zudem arbeitet Russland in der Region zunehmend mit China zusammen. Peking interessiert sich vor allem für neue Seewege, Energiequellen und kritische Rohstoffe. Lawrow stellte dagegen die Kooperation Moskaus mit China, Indien und weiteren Staaten als wirtschaftliche Alternative zur Zusammenarbeit mit westlichen Ländern heraus.

Durch den Klimawandel und den Rückgang des Polareises werden bislang schwer zugängliche Rohstoffe und Schifffahrtswege leichter nutzbar.

Russland baut insbesondere die Nordostpassage aus, die europäische und asiatische Häfen auf einer kürzeren Route verbinden soll. Die russische Arktis erwirtschaftet nach Lawrows Angaben mindestens zehn Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes.

Moskau droht mit „asymmetrischen Maßnahmen“

Lawrow warf den westlichen Staaten zugleich vor, die Arbeit des Arktischen Rates nach Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine weitgehend lahmgelegt zu haben. Russland sei zu einer vollständigen Wiederaufnahme der Zusammenarbeit bereit, sofern die Interessen aller Mitglieder berücksichtigt würden.

Sollten die Nato-Staaten stattdessen versuchen, Entscheidungen ohne Moskau zu treffen, könne Russland seine Vorhaben mithilfe anderer Partner fortsetzen. Sanktionen und Drohungen seien wirkungslos, erklärte Lawrow. Auf feindliche Schritte werde Russland „angemessen“ reagieren – falls nötig auch mit asymmetrischen Maßnahmen und „allen verfügbaren Mitteln“.

Was er unter „asymmetrischen Maßnahmen“ versteht, ließ Lawrow offen. Gemeint sind üblicherweise Gegenmaßnahmen, die nicht unmittelbar der Handlung der Gegenseite entsprechen und auch in anderen Regionen oder Bereichen erfolgen können.

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