Meeresräuber

Forscher untersuchen vor Dänemark angeschwemmten Riesenhai – und finden keinen Grund für seinen Tod

Riesenhai bei Ålbæk in Dänemark tot gefunden: Die Obduktion im Nordsøen Oceanarium ergab keine Todesursache. Jetzt folgen CT-Scans und Laboranalysen.

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Ein Riesenhai filtert mit weit geöffnetem Maul Plankton aus dem Wasser. Zähne braucht er dafür nicht. (Symbolbild)

Ein Riesenhai filtert mit weit geöffnetem Maul Plankton aus dem Wasser. Zähne braucht er dafür nicht. (Symbolbild)

© Imago

Zwei Tage lang war er die Attraktion von Ålbæk.

Am 6. August tauchte vor dem nordjütländischen Fischerort eine Rückenflosse auf, groß genug für einen Sommerthriller. Urlauber standen am Strand und filmten. Am 8. August trieb das Tier tot im Wasser, rund einen Kilometer nördlich des Hafens.

Am Mittwoch haben acht Forscherinnen und Forscher den Riesenhai im Nordsøen Oceanarium in Hirtshals geöffnet. Beteiligt waren auch das Statens Naturhistoriske Museum, das Kattegatcentret und das Museum Sønderjylland.

Publikum war dabei ausdrücklich erwünscht. Besucher standen dicht am Tisch, Chefbiologin Kristina Ydesen kommentierte laufend, Kinder stellten Fragen.

Nach knapp vier Stunden stand das Ergebnis fest – und es war keines.

Riesenhai obduziert: 43 Maße, kein Befund

Zuerst wurde vermessen. Rund 43 Werte, von der Gesamtlänge bis zur Größe der einzelnen Flossen. Bei der Bergung war noch von 4,85 Metern die Rede, auf dem Tisch waren es 4,70.

Alles Weitere liest sich wie das Gegenteil einer Todesursache. Das Weibchen war schätzungsweise 10 bis 15 Jahre alt, Riesenhaie können 50 werden. Auf der Haut fanden sich eine Wunde und ein paar Schrammen, nichts davon tief.

Im Darm saßen fünf Parasiten, ein paar weitere außen. Für einen Hai ist das Alltag.

Der Magen war gut gefüllt, kurz vor dem Tod hatte das Tier noch gefressen. Von Hunger oder Auszehrung keine Spur, berichtet das dänische Portal MigogAalborg.

Leber 75 Kilo: Was in einem Riesenhai steckt

Das Herz wog 1,5 Kilogramm. Die Leber 75.

Bei dieser Art kann das Organ bis zu einem Viertel des Körpergewichts ausmachen. Es hält den Hai in der Schwebe, denn eine Schwimmblase besitzt er nicht.

Untersucht wurden auch die Hautzähne, winzige zahnähnliche Strukturen, die die Haihaut rau machen und das Gleiten durchs Wasser erleichtern. Von einem Riesenhai gab es davon bisher keine einzige Probe.

Ydesen bekommt nach eigenen Worten vielleicht nur ein einziges Mal in ihrer Laufbahn die Gelegenheit, einen Riesenhai zu sezieren. Sie nannte den Tag gegenüber dem Portal eine „ganz besondere Erfahrung“.

Gehirn im CT: Was die Proben verraten sollen

Kopf samt Kiemen und die komplette Wirbelsäule blieben unversehrt. Beides kommt jetzt in den Computertomografen.

Der Mineralisierungsgrad der Wirbel zeigt, wie tief das Tier getaucht ist und in welchen Meeresgebieten es unterwegs war. Die Knochen sind das Logbuch des Hais.

Die Proben gehen an das Kopenhagener Naturkundemuseum und sollen dort über Jahrzehnte für die Forschung bereitliegen.

Kattegat statt Ostsee: Wo der Hai wirklich gefunden wurde

Ålbæk liegt am Kattegat. Zoogeografisch gehören Kattegat und Skagerrak zur Nordsee – ein Detail, an dem sich viele Meldungen über angebliche Ostsee-Haie erledigen.

In der eigentlichen Ostsee sind Haie laut dem Johann Heinrich von Thünen-Institut nur seltene Irrgäste. Das Brackwasser vertragen sie schlecht, ihr Salzhaushalt ist auf die offene See eingestellt. Lediglich der Dornhai schiebt sich gelegentlich bis in die westliche Ostsee vor, feste Bestände bildet er dort nicht.

Gefährlich ist der Riesenhai ohnehin nicht. Er ist die zweitgrößte Haiart der Welt, gleich hinter dem Walhai, und filtert Plankton aus dem Wasser.

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Auch in der deutschen Ostsee: toter Buckelwal

Fast zeitgleich hat die deutsche Küste ihren eigenen Fund. Im Greifswalder Bodden wurde am Donnerstagmorgen ein rund sieben Meter langer Buckelwal tot aufgefunden, den Tierschützer wochenlang unter dem Namen Hartwin verfolgt hatten. Der Berliner Kurier berichtete zuerst darüber.

Zwei große Tiere, zwei Obduktionen. Beide liefern der Wissenschaft mehr Material, als es lebende Exemplare je hergeben würden. Das ist der bittere Handel, den die Meeresbiologie regelmäßig eingeht.

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