In der Nahariya-Siedlung in Lichtenrade im Bezirk Tempelhof-Schöneberg hat eine Mieterinitiative schwere Vorwürfe gegen die Adler Group erhoben. Konkret geht es dabei um einen umfangreichen Legionellen-Befall in rund 800 Wohnungen des Unternehmens.
Die Mieterinitiative Nahariyakiez (MiNa) stellt gemeinsam mit dem Kiezteam Tempelhof-Schöneberg der Initiative „Deutsche Wohnen & Co enteignen“ mehrere Forderungen an die Adler Group.
Legionellen: Bewohner berichten von gesundheitlichen Beschwerden
Genaue Zahlen lägen nicht vor, weil die Adler Group ihrer Pflicht zur Information der Mieter über die Untersuchungsergebnisse trotz Aufforderung nicht nachkomme, lautet der Vorwurf seitens der Initiative. Dem Gesundheitsamt des Bezirks Tempelhof-Schöneberg lägen nach Angaben der Mieterinitiative Befunde für über 50 Häuser vor. Erste Hinweise auf eine Belastung in der Groß-Ziethener-Straße 78–82 seien bereits seit dem 12. Dezember 2025 bekannt, wie in einer Einwohneranfrage in der Bezirksverordnetenversammlung am 22. April 2026 deutlich geworden sei.
Erste Bewohner berichteten von gesundheitlichen Beschwerden, darunter asthmaähnliche Symptome bei Kindern und Erwachsenen, so eine Bewohnerin von der Mieterinitiative. Legionellen können nach Angaben des Alternativen Mieter- und Verbraucherschutzbundes (AMV) das sogenannte Pontiac-Fieber sowie die Legionärskrankheit auslösen, eine schwere Form der Lungenentzündung, die tödlich verlaufen kann.
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Der AMV-Vorsitzende Marcel Eupen forderte, das Gesundheitsamt müsse umgehend tätig werden und notfalls eine Ersatzvornahme auf Kosten der Adler Group durchführen. Die Initiative verlangt eine vollständige Liste der betroffenen Gebäude samt Messwerten, eine sichere Wasserversorgung, medizinische Aufklärung sowie eine Sanierung der Wasser- und Heizsysteme. Zudem fordert sie Sanktionen gegen das Unternehmen und Schadensersatz für erkrankte Mieter.
Legionellen können zu schwere Erkrankungen führen
Die Initiative wirft der Adler Group zudem eine jahrelange Vernachlässigung der Siedlung vor. Nach einer eigenen Umfrage unter mehr als 200 Mietern seien alle Häuser von Mängeln und Schimmel betroffen. Eine Bewohnerin berichtete von undichten Fenstern, ausfallenden Heizungen, defektem Warmwasser, maroden Leitungen, Rohrbrüchen sowie Ratten- und Schimmelbefall bis in obere Stockwerke. Die Hausverwaltung sei für die Mieter kaum erreichbar. Eine Stellungnahme der Adler Group zu den Vorwürfen liegt nach Angaben der Initiative nicht vor.
Bei Legionellen handelt es sich um eine Gattung von Bakterien. In Deutschland ist die Legionellose die bedeutendste Krankheit, die durch Legionellen im Wasser übertragen werden kann. Unter ungünstigen Bedingungen können sich Legionellen in Warmwasserleitungen, aber auch in Klimaanlagen oder Rückkühlsystemen vermehren, so das Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales. Sie sind weit verbreitete Süßwasserbakterien. Werden Legionellen eingeatmet, kann es zu Infektionen kommen. Eine leicht verlaufende, grippeähnliche Erkrankung ist das Pontiac-Fieber. Auch eine schwere Lungenentzündung, die sog. Legionellose oder Legionärskrankheit ist möglich.
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