Ein großer Lehrerverband hat gestern Lehrer, Eltern, Politiker Arbeitsvermittler und Unternehmer zu einem Runden Tisch eingeladen. Thema: der dramatische Lehrermangel in Deutschland und was man dagegen tun kann.Nun hat ja die Kultusministerkonferenz (KMK) erst vor einer Woche Beschlüsse dazu gefasst. Unter anderem sollen die Hochschulen mehr Studienplätze zur Verfügung stellen und die Länder mehr Stellen für Nachwuchslehrer schaffen.Das löst aber nicht das grundlegende Problem: Viel zu wenige junge Menschen wollen Lehrer werden. Und wenn doch, dann hat es bei ihnen oft mit dem ersten oder zweiten Studienwunsch nicht geklappt. Bundesweit fehlen nach Schätzungen der Deutschen Philologenverbandes (DPhV), Initiator des Runden Tisches, 25 000 Lehrer. Mittelfristig könnte der Fehlbedarf auf 50 000 steigen.Eine wirkliche Strategie gegen den Lehrermangel gibt es noch nicht. Sie müsste vieles berücksichtigen. Der Mangel ist zum Beispiel nicht flächendeckend. Im Fach Deutsch muss man vielleicht sogar vor dem Lehrerstudium warnen, wegen geringer Einstellungschancen. Hier gibt es zurzeit 45 000 Studenten. Dem stehen aber nur 23 000 für Mathe gegenüber. Physiklehrer wollen sogar nur 1 800 Studenten werden - in ganz Deutschland. An Grundschulen wiederum gibt es nur noch wenige Musiklehrer. Es geht also darum, Lehrer für bestimmte Fächer zu finden, Labortüftler und sensible musische Talente, die sich zutrauen, vor schwierige, oft große Klassen zu treten.Der Runde Tisch hat Maßnahmen vorgeschlagen, die die Lage verbessern sollen. Zunächst durch mehr Geld: Einstiegsgehälter für Referendare betragen heute nur 1 000 Euro. Oft hat ein Unternehmen den Physik-Referendar schon mit einem besseren Angebot weggeschnappt. Außerdem sind die Lehrergehälter zu starr. Besondere Leistungen und Belastungen werden kaum honoriert. Der Runde Tisch fordert zudem eine Lehrerarbeitsbörse im Internet, frühzeitige Berufsberatung und Auswahlverfahren, mehr Hilfe, etwa durch Psychologen, bessere Teilzeitangebote und Möglichkeiten für Seiteneinsteiger - etwa arbeitslose Physiker.Der Lehrerberuf könnte spannend, kommunikativ, herausfordernd und weithin anerkannt sein. Für viele gilt er jedoch vor allem als stressig, unattraktiv und unbeliebt.Um das zu ändern, fordert der Runde Tisch etwa eine große Imagekampagne. Immerhin geht es um Menschen, denen wir unsere Kinder jeden Tag anvertrauen, an Ganztagsschulen sogar von früh bis abends. Sie sollen sie bilden, fördern und ihren Lebensweg prägen. Respekt ist das Mindeste, was wir ihnen entgegenbringen können.
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