Joachim Löw hat am Dienstag bewiesen, dass er eine seltene Kunst beherrscht: Er kann auf die sanfte Tour streiten. Der Fußball-Bundestrainer hat den krachenden Konflikt, den der DFB-Manager Oliver Bierhoff und Bayer Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler ausgetragen haben, subtil fortgeführt. Im Kern kreist die Debatte, die die Chefs der Nationalmannschaft und die der Bundesligaklubs führen, ja diesmal wie seit Jahren um die selbe Frage: Was sollen, wollen, müssen die international dilettierenden Vereine vom international erfolgreichen A-Team lernen? Löw hat diese Frage nun beantwortet, indem er angekündigt hat, Lukas Podolski werde am Mittwoch im EM-Qualifikationsspiel gegen Wales erneut im linken Mittelfeld spielen - auf jener Position, die Löw jüngst mit so großem Erfolg für ihn entdeckt hat.Beim 4:0 am Sonnabend gegen Zypern hat der Bundestrainer mit der Versetzung des Angreifers Podolskis ein Lehrvideo geliefert zur Frage: Wie baue ich das perfekte Team? Er bricht deswegen nicht in Triumphgeheul aus. Aber er wird, wenn das Experiment mit der Mittelfeldkraft Podolski erneut gelingt, der Bundesliga zwangsläufig demonstrieren, was im Nationalteam besser funktioniert als in manchem Klub. Die Liga beklagt, ihre Möglichkeiten seien begrenzt, sie könne nicht aus einem riesigen Spielerpool wählen, sie könne im Alltag nicht jedes Konzept übernehmen, das das DFB-Team probiert. Zum einen zeigt die Personalie Podolski jedoch: Löw nutzt die Möglichkeiten vieler Spieler einfach konsequenter; seine klaren Konzepte, dauerhaft angewandt, wirken früher oder später fast immer; sein Beraterstab ist offenbar ein Land der Ideen. Zum anderen begrenzen die Klubs ihre Möglichkeiten oft auch selbst - durch kurzfristige Personalpolitik, unnötige Trainerwechsel, fehlende Kontinuität.Ob Podolski in seiner neuen Rolle für immer glücklich wird, ist ungewiss. Klar ist nur: Bastian Schweinsteiger, einst gemeinsam mit ihm gefeiert, ist im linken Mittelfeld nun sein Konkurrent. Vielleicht findet ja der FC Bayern München eine neue Rolle für ihn. Das wäre mal ganz was Neues.
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