In Leipzig hat es in der Nacht zum Freitag drei Explosionen an drei verschiedenen Orten gegeben. Ein 18-Jähriger wurde schwer verletzt. Die Pizzeria „La Migliore“ und das Studentencafé „XOXO“ wurden erheblich beschädigt. Die Polizei ermittelt in allen Fällen wegen des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion.
1. Eutritzscher Straße, Zentrum-Nord
Gegen 23.25 Uhr am Donnerstagabend explodierte auf der Eutritzscher Straße vor der Bäckerei „Falland“ ein bislang nicht identifizierter pyrotechnischer Gegenstand. Nach dem bisherigen Ermittlungsstand hatte ein 18-Jähriger den Gegenstand selbst entzündet.
Er wurde schwer verletzt und verlor nach Angaben von Polizeisprecher Tom Erik Richter im MDR Sachsenradio eine Hand. Der junge Mann kam in ein Krankenhaus.
Der Betreiber eines nahe gelegenen Spätshops berichtet, dass sein Laden zu diesem Zeitpunkt voll gewesen sei. Dann habe es plötzlich einen gewaltigen Knall gegeben. „Es war das absolute Chaos“, sagt er. Er habe zahlreiche Polizisten gesehen. Mehrere Menschen hätten verzweifelt versucht, dem schwer verletzten jungen Mann zu helfen.
Die Polizei betont, dass derzeit keine anderen Erkenntnisse zum Ablauf vorliegen. Für einen Zusammenhang dieses Falles mit den beiden späteren Explosionen gibt es bislang keine Anhaltspunkte.
2. Georg-Schwarz-Straße Lindenau
Nur wenige Stunden später erschütterten laut Polizei zwei weitere Explosionen die Stadt. Gegen 3.15 Uhr wurde eine Explosion an der Pizzeria „La Migliore“ gemeldet. Der Eingangsbereich wurde stark beschädigt.
Wie die Explosion ausgelöst wurde, ist noch unbekannt. Verletzte wurden dort bislang nicht gemeldet. Die Polizei sperrte den Bereich für die Tatortarbeit großräumig ab.
Beamte sichern den Tatort „La Migliore Pizza“ an der Georg-Schwarz-Straße.
© EHL Media/Erik-Holm Langhof
Mutter beobachtete Jugendliche mit Gaskartusche
Eine junge Mutter aus dem Umfeld der Georg-Schwarz-Straße berichtet unserem Reporter, dass es dort bereits seit etwa einem halben Jahr immer wieder Vorfälle mit Pyrotechnik gebe. Sie habe selbst beobachtet, wie mehrere Jugendliche eine Gaskartusche an einem Böller befestigten und das Konstrukt anschließend vor einem Hauseingang zündeten.
Auch in der Nacht zu Freitag soll es eine Beobachtung gegeben haben. Nach Angaben der Frau wurde ihr Nachbar von einem lauten Knall geweckt. Er sei sofort zum Fenster geeilt und habe noch gesehen, wie eine maskierte Person vom Tatort flüchtete.
Die Vorfälle seien „besorgniserregend“, sagt die junge Mutter. „Die Welt wird immer verrückter.“
3. Universitätsstraße, Innenstadt
Kurz nach 3.40 Uhr folgte eine weitere Explosion. Getroffen wurde das Studentencafé „XOXO“. Der Frontbereich des Lokals wurde stark beschädigt. Nach den ersten Berichten wurde auch hier niemand verletzt.
Die Wucht der Explosionen war offenbar erheblich. Vor dem Studentencafé XOXO flogen Splitter bis auf die gegenüberliegende Straßenseite.
Zwei Lieferanten eines nahe gelegenen Kaufhauses berichteten unserem Reporter vor Ort, das Café sei bereits vor rund zwei Wochen angegriffen worden. Damals sei gegen Mittag die Scheibe der Eingangstür eingetreten worden.
Ein Gastronom aus einem anderen Café in derselben Straße, etwa 50 Meter vom „XOXO“ entfernt, schilderte die Situation am Morgen: „Als wir am Morgen kamen, war überall Polizei.“ Wer das „XOXO“ betreibt, wisse er nicht. Doch auch er berichtete, das Café sei schon vor wenigen Tagen angegriffen worden. Dabei sei die Tür zu Bruch gegangen. „Das ist alles sehr komisch“, sagte der Gastronom.
Zerborstene Scheiben und Trümmer vor dem betroffenen Lokal in Leipzig. Die gelben Nummern markieren Spuren, die von der Polizei nach der Explosion gesichert wurden.
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Café-Mitarbeiterin Lisa: „Ich habe keine Ahnung“
Mitarbeiterin Lisa sagt unserem Reporter, ein Kollege habe sie am frühen Morgen angerufen.
Bereits vor etwa zwei Wochen war die Tür des Cafés eingetreten worden. Lisa war damals im Urlaub. Erklären könne sie sich die Angriffe nicht. „Unsere Kunden sind alle nett, wir verstehen uns auch mit den Kollegen. Ich habe keine Ahnung“, sagte sie. Das XOXO sei ein ganz normales Café, vor allem für Studenten, Professoren und andere Beschäftigte der Universität. Verkauft würden Kuchen, Kaffee und manchmal ein Bier.
Das Lokal selbst gibt es schon länger. Früher hieß es Campus Ried, vor ungefähr einem Jahr wurde es als Café XOXO neu eröffnet. Lisa hofft nun vor allem auf schnelle Aufklärung: „Die Hoffnung ist, dass es aufgeklärt wird.“
Café-Mitarbeiterin Lisa vor dem abgesperrten Lokal in Leipzig: Schon vor etwa zwei Wochen war dort die Tür eingetreten worden. Nun wurde eine Scheibe beschädigt.
© OAZ
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