Auf einer Schulbaustelle in Leipzig-Möckern haben Archäologen das bislang älteste bekannte Grab im Leipziger Raum entdeckt. Bei der Bestattung handelt es sich um ein sogenanntes Hockergrab aus der Jungsteinzeit, wie das Landesamt für Archäologie Sachsen mitteilte.
Der bestattete Mensch lag mit angewinkelten Beinen auf der linken Körperseite. Die Knochen sind nach Angaben der Forscher wegen des hohen Kalkanteils im Boden vergleichsweise gut erhalten und werden nun geborgen und im Labor untersucht.
„Wir gehen davon aus, dass es eine erwachsene Person war, aber das Alter und Geschlecht wissen wir noch nicht“, sagte der wissenschaftliche Grabungsleiter Thomas Lukas der Deutschen Presse-Agentur.
Rund 7000 Jahre alte Siedlung in Leipzig-Möckern
Der Fund gehört zu einer weit größeren archäologischen Grabung an der Hans-Beimler-Straße. Dort soll ein neuer Grundschulkomplex mit Dreifeldsporthalle entstehen. Experten untersuchen das Gelände deshalb bereits vor dem eigentlichen Neubau.
Dabei stießen sie auf eine rund 7000 Jahre alte Siedlung der frühen Jungsteinzeit. Das Landesamt für Archäologie Sachsen hatte die Entdeckung bereits Anfang September öffentlich gemacht und die Grabungsfläche zum Tag des offenen Denkmals für Besucher geöffnet.
Die Siedlung wird der sogenannten Linienbandkeramik zugerechnet, einer frühen bäuerlichen Kultur Mitteleuropas. Ihren Namen verdankt sie den typischen spiral- und wellenförmigen Verzierungen auf Keramikgefäßen. Die Menschen lebten sesshaft, betrieben Ackerbau und hielten Vieh.
Blick aus der Luft auf die Grabungsfläche in Leipzig-Möckern. Auf der künftigen Schulbaustelle stießen Archäologen auf eine rund 7000 Jahre alte Siedlung und das älteste bekannte Grab der Region.
© Sebastian Willnow/dpa
Langhaus war mehr als 30 Meter lang
Auf dem Gelände fanden die Archäologen mehrere Hausgrundrisse. Besonders groß war ein Langhaus mit einer Länge von mehr als 30 Metern. Nach Einschätzung des Landesamts bot es Platz für eine Großfamilie mit mindestens 20 Menschen.
Hinzu kommen Spuren von mindestens zwei weiteren Holzhäusern. Das Holz selbst ist längst vergangen. Erhalten geblieben sind jedoch die Gruben, in denen einst die Pfosten standen, sowie Lehmreste der Hausverkleidung.
In Abfallgruben neben den Gebäuden fanden die Forscher außerdem abgenutzte Werkzeuge aus Feuerstein und Knochen sowie Mahlsteine. Sie dienten unter anderem dazu, Bäume für den Hausbau zu fällen sowie Getreide zu ernten und weiterzuverarbeiten.
Leipzig: Keramikstücke eines Grabungsfeldes wurden auf der Baustelle einer geplanten Schule entdeckt.
© Sebastian Willnow/dpa
Das fünfköpfige Grabungsteam soll das Gelände noch bis Mitte Oktober untersuchen. Anschließend werden die Funde ausgewertet und archiviert. Nach Angaben des Landesamts ist geplant, zumindest einen Teil davon später auch öffentlich zu zeigen.
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