Die Gedenkstätte Runde Ecke in Leipzig steht vor einem tiefen personellen Einschnitt: Das Bürgerkomitee Leipzig als Träger des Stasi-Museums hat den langjährigen Leiter Tobias Hollitzer entlassen. Die Kündigung wurde nach Angaben des Bürgerkomitees am 13. Juli übermittelt, der 60-Jährige ist mit sofortiger Wirkung von seinem Posten freigestellt.
Bestätigt wurde der Schritt am Mittwoch in Leipzig. Zuerst hatte die Leipziger Volkszeitung über die Trennung berichtet. Für die Besucher des authentischen Erinnerungsortes in der ehemaligen Stasi-Bezirksverwaltung stellt sich damit die Frage, wie es mit einer der bekanntesten DDR-Gedenkstätten des Landes weitergeht.
Schwelende Konflikte
Der Betrieb der Gedenkstätte ist nach Angaben des Trägers gesichert. Das teilte der Vorstandsvorsitzende Tobias Ulbricht dem Evangelischen Pressedienst (epd) mit. Wer die authentische Stasi-Zentrale erleben möchte, kann die Gedenkstätte weiterhin besuchen – der Betrieb läuft trotz des Führungswechsels weiter.
„Koordinierende Aufgaben übernimmt kommissarisch der Vorstand“, erklärte Ulbricht. Besucherbetrieb und Veranstaltungen werden demnach vom Bürgerkomitee selbst getragen.
Zu den Details der Kündigung wollte sich der Vorstand nicht öffentlich äußern. Hollitzer habe allerdings signalisiert, gegen die Entscheidung juristisch vorzugehen.
Streit um eine Ausstellung aus den 1990er Jahren
Hinter der Trennung stehen offenbar länger schwelende Konflikte. Immer wieder hatte es Kritik an Hollitzer und an der Dauerausstellung in der ehemaligen Stasi-Zentrale gegeben.
Experten und Geldgeber halten die teilweise noch originale Präsentation aus den 1990er Jahren für nicht mehr zeitgemäß. Die Schau ist im Wesentlichen unmittelbar während der friedlichen Revolution 1990 entstanden. Eine von der Stadt geforderte Modernisierung und Weiterentwicklung der Gedenkstätte blieb bis 2026 aus.
Die Folge waren finanzielle Konsequenzen: Zuletzt hatten die Stadt Leipzig und die Stiftung Sächsische Gedenkstätten Fördermittel zurückgefahren und zum Teil sogar komplett eingefroren. Hollitzer, ein früherer DDR-Bürgerrechtler, hatte die Leitung der Gedenkstätte 2008 übernommen. Bereits im April war er aus dem Vorstand des Bürgerkomitees und als Geschäftsführer ausgeschieden.
Das Museum Runde Ecke beheimatet neben einer Gedenkstätte in der ehemaligen Leipziger Außenstelle der Ministerium für Staatssicherheit Stasi eine Abteilung des Bundesbeauftragten für die Stasiunterlagen.
© stock&people/Imago
Ein authentischer Ort mit bewegter Geschichte
Der Name „Runde Ecke“ stammt vom abgerundeten Turm des zwischen 1911 und 1913 errichteten Geschäftshauses. Von 1950 bis 1989 war das Gebäude Sitz der Leipziger Bezirksverwaltung der Staatssicherheit.
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Während der Montagsdemonstrationen 1989 wurde die „Runde Ecke“ am Innenstadtring zum Ziel von Wut und Protest. Am 4. Dezember 1989 besetzten Leipziger Bürgerinnen und Bürger die Stasi-Zentrale.
Seit 1990 erinnert dort eine Dauerausstellung an die Repression in der DDR. Besucher können sich am authentischen Ort in den ehemaligen Büros der Stasi-Offiziere über die Arbeitsweise des Ministeriums für Staatssicherheit informieren.
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