Forscher des Instituts für Anatomie der Universität Leipzig haben in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe von Bahareh Ajami von der Oregon Health and Science University in Portland eine neue Population sogenannter Mikrogliazellen im Alzheimer-Gehirn identifiziert. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Nature Neuroscience veröffentlicht.
Mikrogliazellen sind die spezialisierten Abwehrzellen des Gehirns. Sie gelten seit Jahren als zentral für die Erforschung von Erkrankungen wie Alzheimer, da sie offenbar an deren Entstehung und ihrem Verlauf beteiligt sind. Untergruppen dieser Zellen waren bislang vor allem in Tierversuchen beschrieben worden. Da sich Einflussfaktoren wie das Alter im Tiermodell nur unzureichend abbilden ließen, seien Untersuchungen an menschlichem Hirngewebe entscheidend, teilte die Universität Leipzig mit.
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„Bei der Hirngewebeanalyse von Körperspendern identifizierten wir eine bislang unbekannte Zellpopulation, die eng mit bestimmten Eiweißablagerungen im Gewebe verknüpft ist und im Alzheimer-Gehirn deutlich häufiger vorkommt“, sagte Dennis-Dominik Rosmus, Wissenschaftler am Institut für Anatomie und einer von drei Erstautoren der Studie. Die Ergebnisse zeigten zudem, dass Mikrogliazellen im Alzheimer-Gehirn unterschiedliche, spezialisierte Zustände annähmen.
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Neue Methode für menschliches Hirngewebe
Für die Untersuchung entwickelten die Wissenschaftler die sogenannte CODEX-Methode weiter, mit der mehrere Proteinmarker im Gewebe gleichzeitig analysiert werden können. Die für das menschliche Gehirn optimierte Variante CODEX-CNS verbindet Proteinprofile, Zellform und das Verhältnis zu umliegenden Zellen. Damit ließen sich Zellpopulationen erfassen, die mit herkömmlichen Methoden oft übersehen würden, hieß es von der Universität. Überprüft wurden die Ergebnisse an Gehirnschnitten von Alzheimer-Patienten aus der hauseigenen Hirnbank.
Nach Angaben der Forschungsgruppe sollen mit der Methode künftig auch andere neurologische Erkrankungen untersucht werden. Eine zentrale Aufgabe sei es, die identifizierten Zellpopulationen auch beim lebenden Menschen nachzuweisen, etwa mit nuklearmedizinischen Bildgebungsverfahren. Ein besseres Verständnis der Reaktion der Immunzellen auf Ablagerungen und Zellschäden könne langfristig zur Entwicklung gezielter Therapien beitragen.
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