Der Architekt und Bauhistoriker Dr. Günter Peters (78) war von 1965 bis 1981 Stadtbaurat in Ost-Berlin. Seit sechs Jahren leitet er als Vorstandsvorsitzender der Stiftung Ost-West-Begegnungsstätte Schloss Biesdorf e.V. die Restaurierung des Schlosses im Bezirk Marzahn-Hellersdorf.Herr Dr. Peters, wir treffen uns hier auf einer Baustelle ...Ja, wir arbeiten unter Hochdruck, denn die denkmalgerechte Sanierung vom Schloss Biesdorf soll in Kürze abgeschlossen sein. Mit der Fertigstellung des Turmes und der Nordseite endet die vierjährige Bauzeit.Welches waren die Beweggründe, die nach Jahrzehnten des Verfalls zur Rekonstruktion des Schlosses führten?Nachdem zum 625. Jubiläum von Biesdorf vor einigen Jahren der Park mit dem Teehaus, dem ehemaligen Eiskeller und dem kleinen Teich vorbildlich rekonstruiert worden war, offenbarte sich der Kontrast zum ruinösen Schloss. Biesdorfer Bürger forderten seine Wiederherstellung. In Briefen wandten sie sich sogar an den damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau.Warum engagieren Sie sich so sehr für das Gebäude?Ich bin 1960 aus Rostock nach Berlin gezogen und bekam eine Wohnung in Biesdorf. Während meiner Tätigkeit als Stadtbaurat scheiterten zahlreiche Versuche, das Schloss wiederherzustellen. Nach der Wende habe ich die Gelegenheit ergriffen, den alten Traum zu verwirklichen und habe die Stiftung gegründet. Unser Ziel: Den Bau äußerlich originalgetreu zu rekonstruieren. Schnell fanden wir Unterstützung. So stellen zahlreiche Baubetriebe aus der Umgebung ihre Leistungen kostenlos zur Verfügung.Was ist das Besondere am Schloss Biesdorf?Vor allem die Architektur. Das Gebäude ist eine spätklassizistische Turmvilla, wie sie in Berlin kaum zu finden ist. Heino Schmieden und Martin Gropius errichteten das Schloss 1868. Beide Architekten waren direkt von Schinkel beeinflusst und haben hier Ideen des Meisters umgesetzt. Mich fasziniert aber auch die Nutzungsgeschichte des Hauses. 1887 wurde es von Werner von Siemens gekauft, es ist also eng mit der Berliner Industriegeschichte verbunden. Noch heute erinnert eine Büste im Park an den berühmten Firmengründer. Die Siemens-Nachfahren verfolgen übrigens die Entwicklung des Schlosses nach wie vor mit Interesse und waren erst kürzlich in Biesdorf.Wie soll es mit der Rekonstruktion des Schlosses weitergehen?Langfristig wollen wir auch das Obergeschoss, das im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, rekonstruieren. Ich hoffe, dass wir nach dem Abschluss der aktuellen Sanierung allgemein stärkeres Interesse und weitere Geldgeber finden. Das Stadtteilzentrum, das sich im Schloss befindet, könnte seine Aktivitäten mit Lesungen, Ausstellungen und Konzerten weiter ausbauen. Wir planen, im ersten Stock einen großen Saal unterzubringen, wie es ihn bisher in Biesdorf nicht gibt. Dann könnten viele Veranstaltungen, die nun in andere Bezirke verlegt werden, hier vor Ort stattfinden und die lokale Identität fördern.Interview: Frank Schmitz------------------------------Schloss Biesdorf, Alt-Biesdorf 55. Café im Schloss: täglich außer sonnabends geöffnet von 14-17 Uhr. Feierliche Übergabe des Schlosses: 9. September, 14 Uhr. Verkehrsverbindung: S 5 Biesdorf, U 5 Station Elsterwerdaer Platz.------------------------------Foto: Dr. G. Peters, Bauhistoriker
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