Das nächste Mal reisen die die Chefs der drei großen US-Autokonzerne besser nicht getrennt in privaten Luxus-Jets an, sondern kommen als Fahrgemeinschaft im Hybrid-Auto nach Washington. Das dürfte zwar deutlich länger dauern, aber die Atmosphäre auf dem Capitol Hill spürbar verbessern. Vor allem aber müssen sie einen Reform-Plan dabeihaben, der die Senatoren und Repräsentanten überzeugt, weitere 25 Milliarden Dollar an Nothilfen locker zu machen.Beim ersten Anlauf versäumten es Rick Wagoner (General Motors), Alan Mulally (Ford) und Robert Nardelli (Chrysler), zu verdeutlichen, wie sie ihre Industrie "lebensfähig" erhalten wollen. Das ist eine Kernforderung der Demokraten, die entlang der Vorstellungen Barack Obamas auf eine grüne Wende in Detroit setzen - mit umweltfreundlicheren Hybrid- und Elektro-Fahrzeugen, die Amerikas Abhängigkeit von Öl nachhaltig reduzieren.Der Abgeordnete Gary Ackerman brachte das Unbehagen auf den Punkt. Es sei schon eine "delikate Ironie", wenn die drei Top-Manager mit Luxus-Jets nach Washington einschwebten "und dann mit einer Blechbüchse in der Hand aussteigen". Angesichts von 20 000 Dollar Kosten je Flug sehe das nicht gerade nach kostenbewusster Betriebsführung aus.Dieser Moment verdichtet die Stimmung, der sich eine Industrie ausgesetzt sieht, deren Führer die Zeichen der Zeit lange verschlafen haben. Doch er liefert keine Erklärung, warum die Manager mit leeren Händen nach Detroit zurückreisten. Jenseits des populistisch überhöhten Ärgers versteht die Mehrheit der Abgeordneten nämlich sehr wohl, dass etwas geschehen muss.Neben den 240 000 Beschäftigten der "Großen Drei" hängen die Jobs von mehr als 4 000 Zuliefern an der Zukunft der Branche; angefangen bei kleinen Familien-Betrieben bis hin zu stattlichen Unternehmen wie Delphi. Das Center for Automotive Research sieht bis zu 2,9 Millionen Arbeitsplätze gefährdet, wenn GM, Chrysler oder Ford in die Knie geht. Damit könnte die Arbeitslosen-Quote in den USA auf unerhörte 10 Prozent klettern.Genau deshalb bekommen die "Großen Drei" eine zweite Chance. In letzter Minute einigten sich die Abgeordneten, anfang Dezember aus der Weihnachtspause zurückzukehren. Dann müssen GM, Chrysler und Ford detailliert darlegen, wie sie die maroden Autoschmieden in Zukunfts-Konzerne umbauen wollen. "Sie zeigen den Plan, wir zeigen das Geld", lautet die simple aber eindeutige Logik hinter den Kompromiss-Linien, die Mehrheitsführerin Nancy Pelosi und Senatsführer Harry Reid kurz vor Toreschluss andeuteten.Schaffen es die Top-Manager der "Großen Drei" nicht, den Kongress zu überzeugen, wird der neue Präsident eine grüne Reform Detroits einer unter Insolvenzschutz erzwungenen Umstrukturierung des Marktes vorziehen. In jedem Fall dürfte Obama das Führungs-Vakuum füllen, dass die Aufführung auf dem Capitol Hill deutlich unter Beweis gestellt hat. Für die gebeutelten Konzernlenker ist das ein schwacher Trost. Ihre Tage scheinen so oder so gezählt.------------------------------Grafik: Nettogewinn und -verlust
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