Leverkusen unterliegt St. Petersburg im Viertelfinale des Uefa-Cups 1:4

Das Albtraumspiel

Daniel Theweleit
3 Min

LEVERKUSEN. Rudi Völler hoffte vergeblich. "Ich erwarte eine Reaktion", hatte der Sportdirektor von Bayer Leverkusen vor der ernüchternden 1:4 (1:1)-Niederlage gegen Zenit St. Petersburg gefordert, was er jedoch sah, war eine Bestätigung der These, dass sein Klub mal wieder inmitten der entscheiden Saisonphase einbricht. Am Ende wurden sie in diesem Hinspiel des Uefa-Cup-Viertelfinales auseinander genommen. "Wir haben uns total schlecht verhalten", meinte Kapitän Simon Rolfes. Bayer besitzt nur noch eine theoretische Chance auf das herbeigesehnte Halbfinalduell gegen den FC Bayern München.Von Beginn an agierte das Team noch unsicherer als bei der 0:2-Niederlage am vergangenen Wochenende gegen Eintracht Frankfurt. Einfache Pässe verfehlten ihr Ziel, Flanken flogen ins Leere, und wenn die Leverkusener Viererkette das Spiel eröffnen sollte, drohte ein Ballverlust. Schnell nahm die Verunsicherung derart zu, dass praktisch jeder Angriff der Russen zu einer richtig guten Torgelegenheit führte.Symptomatisch, dass in Tranquillo Barnetta ein Leverkusener das längst verdiente 0:1 einleitete. Ein Fehlpass des Schweizers landete im Fuß von Stürmer Andrej Arshanin. Der überlief Karim Haggui und versenkte den Ball zur Führung für die Russen (20.).Adlers FormschwächeDas erste Ziel, das Skibbe für die Partie ausgerufen hatte, nämlich "zu Null zu spielen", war schon verfehlt. Doch für kurze Zeit war Leverkusen präsenter, und es passte, dass es ausgerechnet Stefan Kießling war, der den Bundesligisten zurück ins Spiel brachte. Er wuchtete einen auf der Linie geretteten Kopfball zum 1:1 ins Tor (33.). Nun waren auch die Russen für Momente verunsichert, doch gute Möglichkeiten erarbeitete Bayer sich nicht. Und die Konterstärke der von Dick Advocaat trainierten Mannschaft blieb eine Bedrohung.In der zweiten Hälfte ergab sich dann eine ganz ähnliche Ausgangslage wie bei der Heimniederlage gegen die Frankfurter. St. Petersburg stand gut sortiert, Leverkusen hatte viel Ballbesitz, Aktionen, die zu guten Möglichkeiten führten, blieben aber selten. Und so landete ein rasend schnell vorgetragener Angriff über Arshanin, in der 52. Minute auf dem Fuß von Pogrebnyak, der aus wenigen Metern zum 1:2 einschob.Was nun folgte, bezeichnete Völler schonungslos als "furchtbar", einige Spieler "hängen im Moment ein bisschen durch, da kann man auf diesem Niveau nicht mithalten". Selbst René Adler leidet mittlerweile unter einer Formschwäche. Beim Fernschuss von Aleksandr Anyukov zum 1:3 griff der Torhüter daneben (61.).Längst war ein Klassenunterschied sichtbar, die Leverkusener wirkten wie eine Jugendmannschaft, sie öffneten die Defensive, und nach 64 Minuten war es ein Leichtes für Arshanin, Denisov zu bedienen, der nur noch einschieben musste. Das war die endgültige Entscheidung. "Wir hätten sogar noch mehr Tore erzielen können", sagte Dick Advocaat, der dennoch fand, sein Team habe "besser als exzellent" gespielt. Der Leverkusener Traum, nach 20 Jahren ein zweites Mal den Uefa-Cup zu gewinnen, ist damit schon nach dem Hinspiel des Viertelfinales zum Albtraum geworden.------------------------------Foto: Zum Wegschauen: Sergej Barbarez (r.) und seine Leverkusener Kollegen sind fassungslos nach dem 1:4.

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