Einmal war bei einem alten Rad eine neue Kette nötig, dafür brauchte es einen sogenannten Kettennieter. Bei dem setzt man einen Metallstift auf eine der Nieten und dreht ihn, bis die Niete aus der Kette rutscht und diese öffnet. Ich fragte in dem großen Laden einen Mitarbeiter nach dem geeigneten Modell, das Spektrum reichte immerhin von seltsamen fünf bis zu happigen vierzig Euro. Der Verkäufer kam mit zum Regal, sah die Palette selbst in Ruhe durch und wählte einen Artikel, der preislich knapp unter der Mitte lag. Das wirkte überzeugend. Beratung ist ja das A und O und rechtfertigt, dass manche Preise im Laden höher sind als im Internet. Also, meistens.
Zu Hause im Einsatz, brach der Stift nämlich nach der zweiten Umdrehung entzwei, die Niete hatte sich da noch keinen Millimeter aus der Kette bewegt. Bei der Reklamation am nächsten Tag geriet ich an den gleichen Mitarbeiter, an das Verkaufsgespräch vom Vortag erinnerte er sich nicht mehr. Die Erinnerungslücke toppte er mit seiner Überzeugung, der Hersteller des Werkzeugs gehöre gar nicht zum Sortiment des Ladens. Ob ich denn sicher sei, es hier gekauft zu haben. Den Beleg inspizierte er ungläubig, ließ sich aber letztlich davon überzeugen.
Als jüngst der alte Lenkerkorb nicht ans neue Fahrrad passte – andere Verkabelung, andere Form der Lenkerstange – antwortete ein weiterer Mitarbeiter auf die Frage, ob es denn eine passende Halterung geben würde: Nein, wirklich nicht. So erfreulich der Fahrradboom dank Umwelt- und Gesundheitsbewusstsein ist – das damit verbundene Umsatzplus verträgt nicht jeder Laden gleich gut. Für den Lenker bietet der Hersteller nämlich sowohl einen Verlängerungsadapter als auch eine breitere Halterung an. Im kleinen Laden weiß man das.
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