„Viele Dinge im Unternehmen sind nicht in Ordnung“: Lieferando-Fahrer streiken

2000 Jobs in Gefahr: Bei Lieferando streiken Fahrer gegen die Auslagerung an Subunternehmen, trotz Dauerregens und mit prominenter Unterstützung aus der Politik.

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Streikende von Lieferando

Streikende von Lieferando

© Lilli Förter/dpa

Lieferando will 2000 Stellen abbauen. Dagegen haben Mitarbeiter des Unternehmens am Donnerstag in Berlin mit Arbeitsniederlegungen protestiert. Rund 120 bis 150 Beschäftigte folgten dem Aufruf der Gewerkschaft NGG. Gestreikt werden soll vom morgen bis Mitternacht. Zeitgleich zum Arbeitskampf verhandelten beide Seiten in der Hauptstadt in bereits sechster Runde um einen Interessenausgleich und Sozialplan.

Das Unternehmen warf der Arbeitnehmerseite indes eine irreführende Skandalisierung vor. „Ein Insel-Tarifvertrag ist im gegebenen Marktumfeld unrealistisch“, teilte Lieferando mit. Mit Insel-Tarifvertrag, ist hier gemeint, dass die anderen Lieferdienste wie Wolt und Uber Eats größtenteils ohne Tarifbindungen arbeiten und dadurch kostengünstiger arbeiten könnten. Da will Lieferando am liebsten auch hin.

Demonstrationszug trotz Dauerregens

Der Protest begann um 13 Uhr in der Nähe der Warschauer Straße. Trotz anhaltenden Regens zogen die Demonstrierenden über die Oberbaumbrücke zur Unternehmenszentrale in der Schlesischen Straße 34. „Mit dem Streik will die Gewerkschaft als Gegenmodell gegen diese Unternehmenspolitik einen Tarifvertrag durchsetzen“, erklärte die NGG.

Prominente Unterstützung für Streikende

Die Protestierenden erhielten prominenten Rückhalt. Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) solidarisierte sich in einem Grußwort mit den Fahrern und betonte deren Recht, „für Respekt und Würde an ihrem Arbeitsplatz zu protestieren“. Vor Ort erhielten die Streikenden Zuspruch vom Linken-Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak.

In seiner mitreißenden Rede appellierte er an die Solidarität der Versammelten: „Wenn ihr streikt, streikt ihr für uns alle“, rief er den Fahrern zu und forderte sie mit dem Kampfruf „Rider unite, together we fight!“, auf Deutsch „Fahrer, vereinigt euch, gemeinsam kämpfen wir!“ zum gemeinsamen Widerstand auf. Die Menge reagierte motiviert, stimmte in die Parolen ein und unterstützte seine Forderungen nach fairen Arbeitsbedingungen mit lautstarkem Jubel.

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Demonstration bei Lieferando

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© Johannes Schirrmeister/Berliner Zeitung

Fahrer fordern Festanstellungen

Zwei streikende Fahrer, Horst und Joachim*, brachten die Beweggründe für ihren Protest auf den Punkt. „Wir sind hier, weil so viele Dinge im Unternehmen nicht in Ordnung sind“, sagte Joachim. Sein Hauptanliegen: „Wir wollen keine Subunternehmer.“ Horst ergänzte: „Bei den Subunternehmen werden die Leute nur bezahlt, wenn sie auch liefern.“ Bedeutet im Klartext: Gibt es gerade keinen Auftrag, sind sie mal krank oder haben Urlaub, gibt es auch kein Geld. Trotz anhaltenden Regens blieben alle vor Ort, um gemeinsam für ihre Rechte zu kämpfen.

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