Lieferanten wollen dem Kaufhaus die Treue halten und weiter Waren bringen, auch wenn sie nicht genau wissen, ob sie Geld erhalten

"Dem KaDeWe wird geholfen"

Thorkit Treichel
3 Min

KaDeWe, Feinschmeckeretage - am Tag nach der Pleite des Mutterkonzerns Arcandor. Es ist kurz nach 10 Uhr. Das Warenhaus am Wittenbergplatz hat vor wenigen Minuten geöffnet. Die ersten Kunden tauchen in der sechsten Etage auf, während die Mitarbeiter noch die Auslagen füllen. 34 000 Artikel gibt es hier: 1 300 Käsesorten, 1 200 Wurst- und Schinkenspezialitäten, 2 400 Weine und die ausgefallensten Fische. Doch die Verkäufer wissen nicht, ob sie weiterhin mit Ware beliefert werden, ob die Insolvenzverwalter, die jetzt das Sagen haben, die Händler noch bezahlen. "Wir stocken heute unser Sortiment für das Wochenende auf. Zwei bis drei Tage werden die Vorräte noch reichen. Und dann werden wir sehen, wie es weitergeht", sagt ein Verkäufer.Auch die Mitarbeiterin eines Obst- und Gemüsehändlers aus dem Großmarkt an der Beusselstraße ist unsicher. "Heute haben wir noch ausgeliefert und warten jetzt erst mal ab ", sagt sie. Ihr Chef habe den Einkäufer im KaDeWe gefragt, ob die bestehenden Verträge noch gelten. "Er wollte sich mit der Geschäftsleitung in Verbindung setzen und uns morgen Bescheid geben, wenn er auf den Markt kommt." Der Händler beliefert das KaDeWe täglich mit frischer Ware. "Für uns ist das eine echte Hausnummer. Wir schreiben monatlich Rechnungen in Höhe von 10 000 Euro."Die Deutsche See liefert täglich 200 Kilogramm Fisch ins KaDeWe. Das Warenhaus sei ein langjähriger und vor allem großer Kunde, sagt der Berliner Niederlassungsleiter Karl-Heinz Franke. "Daher werden wir unsere Lieferungen nicht stoppen.Wir sind Lokalpatrioten, dem KaDeWe wird geholfen." Wie es allerdings in einigen Tagen aussieht, vermag auch er nicht zu sagen. "Bis dahin werden die Insolvenzverwalter hoffentlich eine Entscheidung getroffen und uns benachrichtigt haben", sagt Franke.Die Geschäftsführung des KaDeWe verweist in dieser Angelegenheit auf den Mutterkonzern. Arcandor hat angekündigt, der Geschäftsbetrieb werde in dem Haus am Wittenbergplatz und in allen anderen Karstadt-Häusern "in vollem Umfang" aufrecht erhalten. "Warenlieferungen werden im Rahmen der vereinbarten Zahlungskonditionen bedient", heißt es in einer Mitteilung.Doch für das operative Geschäft sind nun die Insolvenzverwalter Horst Piepenburg und Klaus Hubert Görg, zwei Kölner Anwälte, zuständig. Mit ihrem Team aus zehn Anwälten müssen sie jetzt die zahllosen Lieferanten erfassen, die die bundesweit 120 Karstadt-Häuser mit Ware versorgen. "Wir führen Gespräche mit Führungskräften, Einkäufern und versuchen heute noch, möglichst viele Lieferanten zu informieren, dass sie vorerst weiterbezahlt werden", sagt Thomas Schulz, der Sprecher des Insolvenzverwalters Görg. "Je eher wir den Geschäftsbetrieb stabilisieren, desto besser sind die Chancen, das Unternehmen fortzuführen."Neue VerträgeWomöglich werden die Insolvenzverwalter Verträge kündigen oder nachverhandeln. Doch zum gegenwärtigen Zeitpunkt sei es zu früh, dies zu entscheiden, sagt Schulz. "Wir müssen uns erst mal in den Konzern einarbeiten. Aber eine Verbesserung der Zahlungskonditionen ist normalerweise die Zielsetzung eines Insolvenzverfahrens, um möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten."Ob die Feinschmeckeretage im KaDeWe, deren Sortiment auf dem europäischen Festland seinesgleichen sucht, auch künftig so reichhaltig bestückt sein wird, kann zur Zeit niemand sagen. Bis zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens Anfang September soll ein Sanierungskonzept vorliegen, sagt Schulz.------------------------------Foto: Die Feinschmeckeretage im KaDeWe ist berühmt für ihre nahezu einzigartige Auswahl an Lebensmitteln. Ob es bei diesem Angebot bleibt, ist ungewiss.

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