Der Zwischenfall am Leipziger Flughafen, bei dem eine, ursprünglich mit Sprengstoff beladene Drohne bis an ein ukrainisches Frachtflugzeug heran kommen konnte, wird nach wie vor heiß debattiert.
Sachsens Landtagsabgeordneten bekamen in einer Sondersitzung des Innenausschusses am Mittwoch nur unbefriedigende Antworten, wie es zu der Sicherheitslücke kommen konnte. Aufschlussreicher sind da schon mehrere kleine Anfragen der Linken an die Staatsregierung, wo die sächsische Drohnenabwehr dieses Jahr überhaupt im Einsatz war.
Innenminister Armin Schuster lässt auf acht Einsätze im ersten Halbjahr in Sachsen verweisen – kaum mehr als sonst. Vier weitere Male sei die sächsische Drohnenabwehr zur Unterstützung in München, Hannover und zwei Veranstaltungen in Berlin im Einsatz gewesen.
Im Vorjahr seien es insgesamt 21 Einsätze gewesen, bei denen Sachsen auch andere Bundesländer mit unterstützte. Darunter der Besuch des Bundeskanzlers zum Tag der Deutschen Einheit in Halle, bzw. am 20. Dezember letzten Jahres Merz´ Besuch in Magdeburg.
Was auffällt: Es gibt einen bunten Mix aus Veranstaltungen, Kanzler-Besuch, Motorrad-Grand-Prix am Sachsenring, Turnfest in Leipzig oder auch die Eröffnung der Kulturhauptstadt in Chemnitz letztes Jahr. Auch Gerichtsverhandlungen im Hochsicherheitstrakt des Landgerichtes am Hammerweg diesen April wurden aus der Luft mit überwacht.
Und die Flughäfen in Leipzig-Halle und Dresden, wie auch die milliardenschwere Halbleiter-Industrie im Dresdner Norden - lief unter dem Radar?
Linke-Fraktionschef Rico Gebhardt schlussfolgert: „Demnach wurde die Drohnenabwehr zuletzt vor allem zur präventiven Absicherung von Konzerten, Sportevents und Gerichtsverhandlungen eingesetzt – aber offenbar nicht im Zusammenhang mit Kritischer Infrastruktur, etwa im Umfeld des Leipziger Flughafens.“ Gebhardt konnte auch „keine Überschneidungen erkennen“, was Drohnen-Sichtungen über kritischer Infrastruktur in Sachsen und den Einsatz der Drohnenabwehr selbst betrifft.
Denn Sachsen habe dem bundeseinheitlichen Meldedienst „Tatmittel Drohnen“ über kritischer Infrastruktur (KRITIS), militärischen Einrichtungen oder Rüstungsunternehmen für das erste Halbjahr 2026 dreizehn Fälle gemeldet. In acht Fällen habe es den Sektor Transport und Verkehr, viermal die Energieversorgung und einmal die Verwaltung betroffen. Örtlich wurden davon fünfmal unerlaubt Drohnen über kritischer Infrastruktur in Leipzig gesichtet.
Polizei und Politik waren durch den Sprengstofffund am Leipziger Flughafen in Alarmbereitschaft versetzt worden.
© Hendrik Schmidt/dpa
„In keinem Fall liegen gegenwärtig Hinweise auf Delikte bzw. Bezüge zu politisch motivierter Kriminalität, einschließlich Spionage, Sabotage, Terrorismus oder hybride Bedrohung vor“, so das Innenministerium.
„Potentiell hohes Schadensausmaß“ für Infrastruktur
Die Bewertung entstand noch vor der Beantwortung der Kleinen Anfrage an die Linken. Seit dem Vorfall am Leipziger Flughafen hat die Drohnenabwehr der Bundespolizei sprichwörtlich ihre Zelte auf der Besucherterrasse des Airports aufgeschlagen, ist derzeit dauerhaft vor Ort.
Dabei schätzt das Innenministerium die Gefahrenlage hoch ein:
„Die hybride Bedrohungslage ist nach Erkenntnissen der Bundessicherheitsbehörden seit geraumer Zeit dauerhaft hoch und zunehmend komplex.“ Das Polizeiliche Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrum beim sächsischen Landeskriminalamtes analysiere mögliche Angriffe auf kritische Infrastruktur „fortlaufend“. „Hybride Akteure fremdstaatlicher Stellen“, so das Ministerium, haben es vor allem auf die kritische Infrastruktur abgesehen. Diese unterläge „aufgrund ihrer weiten Verbreitung und dem damit nicht realisierbaren vollständigen Schutz insoweit einer besonderen Vulnerabilität, verbunden mit einem potenziell hohen Schadensausmaß.“, warnt das Innenministerium.
Konkreter wird man auch neun Tage nach dem Fund der Sprengstoff-Drohne am Leipziger Flughafen weder auf Landes- noch Bundesebene nicht, wer die Akteure gewesen sein könnten. Niederländische Analysten haben , einem Bericht des Portals „NachDenkSeiten“ zufolge, einen Großteil der angeblichen „russischen Drohnen“-Sichtungen der letzten Monate in Europa untersucht.
Für Westeuropa wurde kein einziger Fall gefunden, in dem eine Verbindung zu Russland nachgewiesen werden konnte. Ein Großteil der untersuchten „Drohnensichtungen“ stellte sich im Nachhinein zudem als optische Fehlsichtungen heraus, zurückzuführen auf Lichter an Hubschraubern, Flugzeuge im Landeanflug und hell leuchtende Sterne.
Drohnen-Alarm bei Purple Disco Machine
Die Erfolgsquote der sächsischen Drohnenabwehr ist gut. Von den 24 Anlässen in 2025 und dem 1. Halbjahr 2026, bei denen die sächsische Drohnenabwehr im Einsatz war und auch unerlaubte Flugobjekte ausgemacht wurden, konnte in 15 Fällen Drohnen-Piloten festgestellt werden. Der größte Erfolg dieses Jahr gelang den zehn sächsischen Beamten, die für die Drohnenabwehr zur Verfügung stehen, zu Pfingsten. Da spielte DJ Purple Disco Machine im Zwinger. Neunzehn Drohnen wurden im Luftraum darüber entdeckt, zehn Piloten „dingfest“ gemacht.
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Rico Gebhardt erklärt: „Die neuen Zahlen zeigen, dass die sächsische Drohnenabwehr grundsätzlich funktioniert. Allerdings hat sie Fähigkeitslücken: Selbst wenn Geräte aufgespürt werden, lassen sie sich nur in wenigen Fällen auch zu Boden bringen.“ Neben der Weiterentwicklung der Ausstattung bräuchte es aber vor allem eine Strategie zur Drohnen-Abwehr: „,Auf gut Glück‘-Einsätze bei Großevents sind gut – die gezielte Sicherung gefährdeter Einrichtungen wäre besser. Davon war noch zu wenig zu sehen“, so Gebhardt.
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