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David Hockney verewigt Harry Styles im Biene-Maja-Jäckchen

Bald ist in Londons National Portrait Gallery das eben erst von David Hockney gemalte Bildnis des Popstars Harry Styles zu sehen. Was macht es so besonders?

3 Min
 Heiter entspannt bis ernst: David Hockney malt Harry Styles. 

 Heiter entspannt bis ernst: David Hockney malt Harry Styles. 

© Handout/dpa

Zuletzt glaubte die Kunstwelt schon, David Hockney, Großbritanniens wichtigster, zudem teuerster lebender Maler widme seine  unverdrossen leuchtende Farbpalette und multiperspektivischen Motive nur noch der Natur: den sich ankündigenden, dann melancholisch schwindenden Jahreszeiten, den Metamorphosen der Wiesen und Äcker, den Hügeln und Tälern seiner Heimatregion, der Grafschaft Yorkshire.

Und vor allem den Bäumen an den gewundenen Straßen der herben Landschaft. Die sahen wir im vergangenen Jahr in der Berliner Gemäldegalerie. Hockneys monumentaler Zyklus „Three Trees near Thixendale“ verbildlichte Naturandacht schlechthin. Von einem figurenleeren Alterswerk schwadronierten schon ehrwürdige Kritiker. Seitdem er die Menschen kennt, liebt er die Bäume? So könnte man fragen in Abwandlung von Schopenhauers desillusioniertem Tier-Zitat.

Doch welch ein Irrtum! Der 86-jährige Hockney porträtierte soeben den britischen Popstar Harry Styles, eine Ikone der queeren Community, nicht zuletzt wegen seines genderfluiden Modestils. Die smarte Musik und Stimme seines Modells, von der Fans schwärmen, sie klinge, ja, schmecke fantastisch himbeerbrausig nach Teenagerzeit, ohne indes kitschig-nostalgisch zu sein, kann der schwer ertaubte Maler Hockney freilich nur bedingt goutieren. Aber die Chemie scheint zu stimmen zwischen den beiden. Styles, den man in der Atelieraufnahme entspannt und fröhlich lachen sieht, scheint es keineswegs zu stören, dass Hockney beim Malen Kette raucht.

Was nur bedingt bekannt ist: Es war Ende der Neunzigerjahre auch die rigide Raucher-Feme, die den Maler im Alter aus Kalifornien, dem Land seiner steilen Avantgarde-Kunstkarriere seit Mitte der Sechziger (mit den berühmten Swimmingpool-Motiven, den im biederen Amerika spektakulären Schwulen-Szenen und auch den begnadeten Canyon-Landschaften) zurücktrieb auf die britische Insel mit deutlich schlechterem Wetter. Schuld waren also keineswegs nur Hockneys Heimweh und die Sehnsucht nach der Wurzelsuche in Nordengland. Dass in Europa Raucher freilich ein paar Jahr später auch nicht mehr toleriert werden, hat der Gealterte längst gelassen hingenommen. Denn wer von ihm etwas will – und das sind vor allem die Leute vom Kunstbetrieb –, lässt ihm  schließlich gern dieses Laster-Privileg.

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Auf dem Foto von einer Ateliersitzung in Hockneys aktuellem Arbeits-Refugium im französischen Nachbarland, in einer idyllischem Ecke der Normandie, greift der alte Maler zu den poppigen Farben seiner Jugend. Mit rot-orangen Streifen zieht er dem 29-jährigen Sänger, Songwriter und Schauspieler ein Biene-Maja-Jäckchen an: Seinen Hals ziert eine weiße Perlenkette, wie Queen Elizabeth II. sie öfter trug. Styles sitzt auf der Leinwand da wie ein Gymnasiast, die Beine in der blauen Hose sind artig übereinandergeschlagen, Dreitagebart und die dunklen Haar lässig verstrubbelt.

Das Styles-Bildnis wird ab dem 2. November garantiert ein Hingucker in der Sonderausstellung der National Portrait Gallery nahe dem Trafalgar Square. „David Hockney: Drawing from Life“  zeigt 160 weitere Werke des englischen Malers. Ursprünglich sollte die Schau schon 2020 laufen. Aber die Corona-Pandemie kam dazwischen. Gleich nach dem Aufbau und wenige Tage nach der Vernissage musste sie wieder schließen. Nun aber kann der Maler  sogar weitere 30 neue Bilder hinzugeben. Darunter eben „Harry Styles“, ein Superboy, wie einst auch der Maler David Hockney im Kalifornien der Hippie-Zeit einer war, als Aushängeschild der freien Kunst und freien Lebensweise. Vielleicht erzählt Styles ja bei der nächsten Konzerttour, wie das war, bei dieser Malerlegende mit Hörgeräten so still im Korbsessel zu sitzen.

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