Fünf Jahre nach dem internationalen Truppenabzug aus Afghanistan zeigt das ZDF mit „Kabul – Flucht aus der Hölle“ eine sechsteilige Dramaserie über die Ereignisse im August 2021. Die europäische Koproduktion erzählt fiktionalisiert, aber eng orientiert an realen Begebenheiten, wie politische Entscheidungen, militärischer Rückzug und humanitäre Krise auf einzelne Menschen treffen.
Zum internationalen Ensemble gehören der im Februar verstorbene Amerikaner Eric Dane („Grey’s Anatomy“, „Euphoria“), die Italienerin Valentina Cervi („True Blood“) sowie die deutschen Schauspieler Leonard Scheicher („Das Boot“) und Ludwig Blochberger, der unter anderem in „Das Leben der Anderen“ zu sehen war.
Für das oscarprämierte Drama von Florian Henckel von Donnersmarck stand der gebürtige Ost-Berliner noch während seines Studiums vor der Kamera. Wie sein Vater, der Schauspieler und Regisseur Lutz Blochberger, und seine Mutter, die Puppenspielerin Gitta Blochberger, studierte auch der heute 43-Jährige an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin. Wie ihn seine Heimatstadt sonst noch prägte und prägt, hat Ludwig Blochberger uns im Fragebogen verraten.
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1. Herr Blochberger, Sie sind 1982 in Ost-Berlin zur Welt gekommen und zwei Jahre später mit Ihrer Familie nach Dresden gezogen. Was sind Ihre einprägsamsten Kindheitserinnerungen aus DDR-Zeiten?
Sehr präsent sind mir die Fahrten im babyblauen Trabant meiner Großeltern auf der Autobahn. Tadamm, tadamm, tadamm. Und dann dieser stolze Moment, wenn die Tachonadel die 100 km/h erreichte. In Sachen Tempolimit war die DDR offenbar ihrer Zeit voraus. Was mich damals allerdings wirklich tief beeindruckt hat, war der Besuch einer der Montagsdemonstrationen im Herbst ’89, zu der mein Vater mich in Dresden mitgenommen hat. Ich war noch ein Kind, aber ich habe gespürt, dass da etwas Besonderes passiert.
2. Sieben Jahre nach Ihrer Geburt fiel die Mauer. Haben Sie dennoch so etwas wie eine Ost-Identität? Eine besondere Beziehung, einen anderen Blick auf den Osten des Landes?
Ich habe da manchmal ein Gefühl von Zerrissenheit. Ich bin im Osten geboren, aber zu jung, um die DDR wirklich bewusst politisch erlebt zu haben. Trotzdem liegen dort meine Wurzeln und ein Teil meiner frühen Prägung. Mich beschäftigt zudem die Frage, wie ich selbst mit diesem System umgegangen wäre. Dieses Nachfühlen und die Auseinandersetzung mit der eigenen Herkunft verarbeite ich auch in der von mir selbst produzierten literarisch-musikalischen Revue „Manfred Krug – Abgehauen“, mit der ich aktuell zusammen mit dem Goin’ Out West Quintet toure.
ZUR PERSON
Die internationale Dramaserie „Kabul – Flucht aus der Hölle“ (Foto) läuft ab 20. Juli im Stream sowie ab 27. Juli in Doppelfolgen im ZDF.
3. Wann führte Ihr Weg Sie wieder zurück nach Berlin?
Kurz vor der Jahrtausendwende. Mein Vater verließ sein Theaterengagement. Ich wollte zurück in meine Geburtsstadt und hatte große Lust auf Berlin, außerdem bereits den festen Plan, hier an der Schauspielschule vorzusprechen. Es war der letzte gemeinsame Umzug mit meiner Familie, bevor ich dann flügge wurde.
4. In welchen Berliner Stadtteilen haben Sie schon gewohnt – und wo leben Sie heute?
Die erste Wohnung war in der Kastanienallee im Prenzlauer Berg, damals noch mit Tatra-Straßenbahn vor dem Fenster und ordentlich bröckelndem Putz an den Häusern. Nach unserer Rückkehr aus Wien folgten drei Jahre Reinickendorf. Dieser Wechsel war für mich die größte Umstellung, zumal ich auch gleich ordentlich auf dem U-Bahnhof vermöbelt wurde. Mittlerweile lebe ich seit über 20 Jahren in Kreuzberg. Für mich ideal, weil ich von hier aus schnell im Grünen bin und meiner sportlichen Leidenschaft nachgehen kann, beim Laufen, auf dem Rennrad oder mit meinem Kajak.
5. Für viele Menschen stellt die Wohnungssuche in der Stadt mittlerweile die größte Herausforderung dar. Wie war das bei Ihnen?
Ich hatte großes Glück, in meinem Haus wurde eine größere Wohnung frei. Daher war der letzte Umzug der kürzeste und unkomplizierteste meines Lebens.
6. In den (sozialen) Medien ist Berlin-Bashing sehr gefragt, die Stadt wird als zu laut, zu dreckig, zu voll beschrieben. Wie sehen Sie das? Haben Sie einen Fluchtpunkt oder spielen mit dem Gedanken, Berlin zu verlassen?
Für mich ist Berlin immer noch die spannendste Stadt Deutschlands. Man kann einer Großstadt nicht vorwerfen, dass sie laut, voll und manchmal anstrengend ist. Urbanität heißt nun mal auch, dass man dort nicht allein wohnt. Und beim Müll geht es vielleicht weniger um fehlende Mülleimer als um fehlendes Verantwortungsgefühl. Oder, um es mal auf Berlinerisch zu sagen: Dit hebt sich nich von alleene uff.
Durch meinen Beruf komme ich viel herum und vielleicht ist gerade das gut. So bleibt die Rückkehr nach Berlin immer auch ein freudiges Wiedersehen. Momentan planen wir nicht, Berlin zu verlassen. Aber wer weiß schon, was morgen kommt. Meine Partnerin ist Portugiesin und Portugal ein wunderschönes Land.
7. Was nervt Sie am meisten an der Stadt – und was heitert Sie wieder auf?
Gemeckert wird auf jeden Fall immer gern. Wir könnten schon ein bisschen an unseren Umgangsformen arbeiten. Nicht immer gleich Totaleskalation und Schnodderschnauze. Zum Glück gibt es dann wieder die trockenen Durchsagen bei der BVG: Ick kann warten!
8. Welcher ist Ihr Lieblingsort in Berlin?
Die Museumsinsel. Besonders das Neue Museum. Mich fasziniert, wie dort Alt und Neu architektonisch zusammenfinden, gerade auch im geschichtlichen Kontext Berlins. Von dort kann man auch wunderbar die weitere Stadt erkunden und in den Tiergarten hineinflanieren.
9. Ihre persönliche No-go-Area?
Die gibt es seit dem Mauerfall glücklicherweise nicht mehr.
10. Ein Abend mit Freunden – in welchem Restaurant wird reserviert?
Mein Klassiker ist seit vielen Jahren der Gorgonzola Club in der Dresdener Straße. Hinter dem Namen verbirgt sich kein Club, sondern ein Lokal mit einfacher, ehrlicher italienischer Küche. Auf meinem Tisch landen meistens die Pasta Amatriciana oder die Puttanesca, begleitet von einem Glas Primitivo. Ich mag die lockere Atmosphäre ohne Schnickschnack und Chichi.
11. Einkaufen in der Stadt – in welchem Laden glüht Ihre Kreditkarte besonders gern?
Es gibt da dieses Kulturkaufhaus in Mitte, in dem ich eigentlich immer etwas finde. Deshalb wartet zu Hause noch ein großer Stapel ungelesener Bücher auf mich.
12. Der beste Stadtteil Berlins? Und der schlimmste?
Kreuzberg.
13. Wie sieht Ihr perfektes Berlin-Wochenende aus – vom ersten Kaffee am Morgen bis zum letzten Drink in der Nacht?
Am liebsten unternehmen wir etwas für die ganze Familie. Wir steigen auf die Fahrräder, gehen schwimmen oder entscheiden uns für ein Museum, Konzert oder Theater. Wir planen den Tag nicht zu fest, sondern lassen uns lieber treiben. Nachmittags ein Eis, damit die Stimmung nicht unterzuckert. Abends darf es dann unkompliziert sein. Mein Sohn liebt es, beim Griechen essen zu gehen, also ist die Restaurantfrage oft schnell geklärt. Und wenn wir am Abend müde, satt und mit ein bisschen Sand in den Schuhen nach Hause kommen, war es ein perfektes Berlin-Wochenende.
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