Im Visier

Das Narrenschiff der Republik: Volle Fahrt in den Stillstand

Ein verstopfter Wasserfilter beendete 2023 Wolfgang Kubickis Ostsee-Ausflug mit Bärbel Bas. Was damals geschah, erinnert heute erstaunlich an den Kurs der Berliner Regierung.

4 Min
Das Narrenschiff als Relief des Künstlers Peter Lenk am Bodensee. Auf dem Schiff tanzen deutsche Autobauer und Politiker einen makabren Dieseltango.

Das Narrenschiff als Relief des Künstlers Peter Lenk am Bodensee. Auf dem Schiff tanzen deutsche Autobauer und Politiker einen makabren Dieseltango.

© Sepp Spiegl/imago

Hochsommer an der Havel: Die Wasserstraße ist auch in diesem Jahr wieder gut besucht. Hobbykapitäne jeder Couleur schippern durch Brandenburg, lassen den Alltag am Ufer zurück – und mancher Spitzenpolitiker aus dem Berliner Regierungsviertel soll sich schon hierher verirrt haben. Mal standesgemäß auf der Jacht, mal schlicht im quietschgrünen Schlauchboot auf dem Nebenfluss der Elbe.

Ob auch der frühere Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki (FDP) dazugehört, ist nicht überliefert. Unvergessen sind dafür die Bilder, wie er auf der Ostsee die Grenzen eines Hobbykapitäns kennenlernte. Das liberale Universalgenie hatte eingeladen, um mit Bärbel Bas einen entspannten Tag auf See zu verbringen. Während andernorts elegante Jachten kreuzen – die von Cristiano Ronaldo misst 27 Meter, die von David Beckham fast 40 Meter –, schipperte der Strack-Zimmermann-Bezwinger auf seinen 11 Metern „Liberty“ gemeinsam mit der Genossin durchs Brackwasser.

Das hochkarätige Berliner Establishment

Von dieser Spritztour hätte nicht einmal die SPD-nahe Lokalpresse um die Kieler Nachrichten Notiz genommen, wäre das Boot nicht unerwartet in Schwierigkeiten geraten. Für einen Hobbykapitän auf der Havel wäre das das bittere Ende eines schönen Tages gewesen – Havariedienst, Abschleppen, horrende Rechnung. Nicht so an der Küste: Das hochkarätige Berliner Establishment wurde standesgemäß von der Wasserschutzpolizei eskortiert, und die Beamten leisteten gleich noch Erste Hilfe, als Frau Bas trockenen Fußes auf das Polizeiboot verladen wurde. Ob es an Bord auch den obligatorischen roten Teppich gab, darüber schweigt die Erzählung.

Dabei taugt diese Havarie als Sinnbild für Deutschland im Jahr 2026: „Liberty“, Freiheit, prangt zwar noch auf manchem Etikett – den Inhalt aber liefert längst der Sozialismus. Siehe die jüngsten Reformen, bei denen der Staat es einmal mehr besser zu wissen meint als seine mündigen Bürger; mit der persönlichen Freiheit der arbeitenden Bevölkerung hat dieses Werk mit roter Handschrift wenig zu tun. Ein Ausrutscher ist das nicht – praktisch alles, was Bas und Klingbeil anpacken, weist nach links außen.

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Dass ausgerechnet der „Freiheitsverkäufer“ Kubicki mit der linken Bas schippern geht, ist sinnbildlich; der Schiffbruch mit Ansage gehört dazu. Wie der real existierende Sozialismus aussieht, wissen wir Ossis noch zu gut. Frau Bas (Duisburg), Herr Kubicki (Braunschweig) und auch der Bundeskanzler (Brilon) dürfen sich von Zeitzeugen – nicht zuletzt im Berliner Reichstag – ausführlich schildern lassen, wie sich Unfreiheit anfühlt.

Anders als der Patient Bundesrepublik im Großen hatte der Kahn im Kleinen wenigstens keine Schlagseite und drohte auch nicht, auf den rauen Meeresgrund zu sinken. Gegen Grün- und Rotalgen samt ein paar Halmen Seegras aber war selbst der technisch versierte FDP-Chef machtlos: Der Wasserfilter war hinüber. Teile der linken Besatzung sollen später noch „hellblaue Algen“ unter den Verdächtigen vermutet haben – doch nein, Rot-Grün allein genügte, um den FDP-Mann lahmzulegen. Kubicki selbst blieb nüchtern: Algen und Seegras hätten einem Wasserfilter zugesetzt, dadurch sei die Maschine zu heiß geworden. Punkt. Aus. Ende der Kapitänsgeschichte.

Leichtmatrosen wie Klingbeil und Bas

Doch weit gefehlt! Wie im Berliner Politikbetrieb fühlte sich Genossin Bas auch hier berufen, den Schiffbruch ausschweifend zu kommentieren: Kubicki sei, anders als sie, an Bord seines lädierten Kahns geblieben. „Er hat dann sein Boot in langsamer Geschwindigkeit in den Hafen gebracht.“ Man muss den Satz nur auf die große Koalition ummünzen, dann steckt die ganze Pointe darin – denn auch das schwer beschädigte Boot Bundesrepublik ließe sich durchaus wieder sicher in den Hafen steuern. Es käme eben nur auf die richtige Besatzung an.

Solange Leichtmatrosen wie Klingbeil und Bas mit am Ruder stehen, wird man den BRD-Kahn allerdings nur schwer aus dem Schlick ziehen – welche Schlüsse die Wählerschaft daraus für die nächste Ausfahrt zieht, bleibt spannend. Vielleicht erinnert Herr Kubicki Frau Bas an den gemeinsamen Ostsee-Ausflug und redet ihr gut zu – schließlich kennt auch er das vorzeitige Ausscheiden, in seinem Fall als Bundestagsvizepräsident.

Zu ihrem eigenen ungeplanten Ausstieg auf hoher See sagte Bas seinerzeit: „Ich habe das noch nie gemacht.“ Gerne wieder, möchte man ihr zurufen – und besser heute als morgen. Denn beim Regierungsschiff in Berlin ist weit mehr verstopft als nur ein kleiner Wasserfilter. Und der Skipper aus Schleswig-Holstein? Ob er sein 11-Meter-Boot inzwischen wieder flottbekommen hat, ist nicht überliefert, denn Rot- und Grünalgen sind hartnäckig.

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