Plattformarbeit

Brasilien: Lula startet Milliardenprogramm für App-Fahrer und Taxifahrer

Für viele Fahrer sind neue Autos nur per Kredit finanzierbar. Das Programm „Move Aplicativos“ richtet sich damit an eine große Zielgruppe im Plattformsektor.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
São Paulo ist einer der großen Märkte für App-basierte Personenbeförderung in Brasilien.

São Paulo ist einer der großen Märkte für App-basierte Personenbeförderung in Brasilien.

© Fotoarena/imago

Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hat am Dienstag in São Paulo das Kreditprogramm „Move Aplicativos“ für App-Fahrer und Taxifahrer gestartet. Das geht aus einer Mitteilung des brasilianischen Verkehrsministeriums hervor. Die Kreditlinie soll günstigere Konditionen für den Kauf von Fahrzeugen, für Wartung und für Betriebsmittel bieten.

Finanzierung über die Entwicklungsbank

Für das Programm sind laut dem Portal Poder360 bis zu 30 Milliarden Real aus dem Staatshaushalt vorgesehen, umgerechnet rund fünf Milliarden Euro. Die Mittel gehen demnach an die staatliche Entwicklungsbank BNDES und werden über Geschäftsbanken vergeben. Finanziert werden Fahrzeuge bis zu einem Kaufpreis von 150.000 Real, umgerechnet rund 25.000 Euro. Die Zinsen sollen deutlich unter dem brasilianischen Leitzins Selic von 14,5 Prozent pro Jahr liegen. Im Gespräch sind laut Poder360 monatliche Zinsen von 0,99 Prozent für App-Fahrer und 0,95 Prozent für Taxifahrer.

Die Regierung prüft, ob Antragsteller in den vergangenen zwölf Monaten mindestens 100 Fahrten absolviert haben müssen. Gewerkschaften halten diese Schwelle für zu niedrig: 100 Fahrten im Jahr entsprächen gut acht im Monat und ließen sich in wenigen Tagen abarbeiten. Reine Benzin- oder Dieselfahrzeuge sollen laut dem Portal Metrópoles ausgeschlossen werden, um den Kauf verbrauchsärmerer Modelle zu fördern.

Regulierung der Plattformarbeit stockt

Das Programm folgt auf den Stillstand bei der Regulierung der Plattformarbeit. Ein Gesetzentwurf der Regierung liegt seit 2024 im Abgeordnetenhaus und kommt laut dem Nachrichtenportal Senado Notícias des brasilianischen Senats nicht voran. Er sieht eine eigene Kategorie als „selbständiger Plattformarbeiter“ ohne klassisches Arbeitsverhältnis vor, dazu Mindestvergütung und Rentenansprüche. Die Regierung macht die Plattformbetreiber für die Blockade im Parlament verantwortlich.

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Nach einer Studie des brasilianischen Forschungsinstituts Cebrap im Auftrag des Branchenverbands Amobitec arbeiten in Brasilien rund 2,2 Millionen Fahrer und Lieferarbeiter über Apps. Allein bei Uber sind nach Unternehmensangaben 1,4 Millionen Fahrer registriert. Eine Umfrage des brasilianischen Meinungsforschungsinstituts Datafolha aus dem Jahr 2025 ergab, dass 87 Prozent der aktiven Uber-Fahrer in den kommenden drei Jahren ein Auto kaufen oder tauschen wollten, davon 88 Prozent auf Kredit.

Der Verband der Fahrzeughersteller Anfavea begrüßt das Programm, fordert jedoch, importierte Fahrzeuge auszuschließen oder zu begrenzen, um die heimische Produktion zu schützen. Wie das Portal Tempo Real RJ berichtet, gibt es Zustimmung aus dem Taxiverband in Rio de Janeiro. 

In Brasilien finden 2026 am 4. Oktober allgemeine Wahlen für den Präsidenten, den Kongress sowie die Gouverneure und Parlamente der Bundesstaaten statt.

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