Ihren Humor hatten einige Fans des 1. FC Union Berlin noch nicht verloren. „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin“, sangen ein paar derer, die am Dienstagabend im Kölner Dauerregen auch nach Abpfiff noch im Gästeblock ausharrten. 0:5 hatte ihre Mannschaft verloren, sich dabei in der zweiten Halbzeit einem keinesfalls übermächtigen Gegner ergeben. Mehr als 1000 Kilometer nahmen die Anhänger in Kauf, um ihr Team unter der Woche bedingungslos zu unterstützen und gleichzeitig zu hoffen, dass der Traum vom DFB-Pokalfinale in der eigenen Stadt weiterleben würde. Sie wurden bitter enttäuscht.
Das Union-Zeugnis: Beim Debakel in Köln kriegt ein Profi die Sechs
Kapitän Rani Khedira fand zumindest die richtigen Worte, sprach davon, sich bei den Fans entschuldigen zu müssen. Eine „Nicht-Leistung“ hatte der 32-Jährige gesehen, zu der auch er seinen Teil beigetragen hatte. Immerhin kam die Erkenntnis nach Abpfiff.
Lustrinelli sieht lediglich eine „Stolperung“
Von Trainer Mauro Lustrinelli hätte man erwartet, dass seine Kritik ähnlich scharf ausfallen würde. Auf der Pressekonferenz irritierte der Schweizer dann aber mit seiner Wahrnehmung zur Darbietung seiner Elf. Union sei öfter im gegnerischen Strafraum aufgetaucht als der Gegner, habe dort mehr Ballaktionen gehabt, erzählte der Coach. Und die Niederlage sei im gesamten Prozess, der seit seinem Amtsantritt im Juli im Gange ist, nur eine „Stolperung“. Jeder einzelne Fan, der erst im Morgengrauen nach einer Nacht ohne Schlaf in Berlin wieder eintraf, dürfte sich bei Lustrinellis Worten massiv verschaukelt vorkommen.
Die Stimmen zum Union-Debakel: „Müssen uns bei allen Fans entschuldigen“
Kein Wort verlor er über eine desolate Abwehrleistung und einen Angriff, dem nach der Kopfballchance von Zeno Van Den Bosch nach einer halben Stunde komplett der Stecker gezogen war. Lediglich Torhüter Matheo Raab, mit dem man nur Mitleid haben konnte, wehrte sich mit der ein oder anderen Parade ganz ernsthaft gegen das Debakel.
Eine derart hohe Niederlage wäre gerade noch zu verschmerzen, wenn es ein wirklich einmaliger Ausrutscher wäre. Im Angesicht der Tatsache, dass sich Union in neun Spielen unter Lustrinelli nun schon zum dritten Mal nach dem 0:4 in Leverkusen und dem 0:7 in München derart gehen und vom Gegner vorführen lässt, sollte alle Alarmglocken schrillen lassen.
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