Buchpreisträger

Lutz Seiler und „Das tickende Herz“: Magisch von Berlin nach Kasachstan

Der neue Roman des für „Kruso“ mit dem Deutschen Buchpreis geehrten Lutz Seiler verbindet visionär und poetisch Uranabbau, Maurerhandwerk und Dichtung. Die Kritik.

Cornelia Geißler
Cornelia Geißler
7 Min
Lutz Seiler stellte seinen gerade erschienenen Roman „Das tickende Herz“ auf der Frankfurter Buchmesse vor.

Lutz Seiler stellte seinen gerade erschienenen Roman „Das tickende Herz“ auf der Frankfurter Buchmesse vor.

© STAR-MEDIA/Imago

Als Carl Bischoff einen Brief vom Internationalen Poesie-Festival Rotterdam bekommt, steckt er ihn ungeöffnet ein und fährt damit zum Tierpark in Berlin-Friedrichsfelde. Hier ruft er Dodo, die Ziege, gibt ihr was zum Knabbern, lässt sich die Hand beschnuppern und beginnt dann, aus dem Brief vorzulesen. Es ist seine Bestätigung, ein Dichter zu sein, ein international bemerkter sogar. „Wie schön es doch wäre, davon zu erzählen“, denkt er.

In dieser Szene steckt ganz viel, was den neuen Roman „Das tickende Herz“ von Lutz Seiler ausmacht. Dichtung und Wahrheit, Melancholie und Humor. Man kann sich alles vorstellen, sehen, riechen gar, was hier geschrieben steht, folgt ihm aus realistisch charakterisierter Umgebung in eine mythenschwangere Vergangenheit und in eine mystische Zukunft.

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