Wer den kleinen Gemischtwarenladen mit der Aufschrift „Revolutionsbedarf“ in der Falckensteinstraße 46 betritt, kommt in eine Welt voller Widersprüche. Zwischen Regalen mit Broschüren, Buttons, Stickern und Pfefferspray sitzt Hans-Georg Lindenau in seinem Rollstuhl. „HG“, wie ihn fast alle nennen, ist 67 Jahre alt und Urgestein der linken Szene. Derzeit ist er die Zielscheibe einer beispiellosen Serie von Angriffen.
Der Anlass für die Gewalt der letzten Tage hängt im Schaufenster. Anfang Oktober 2026 platzierte Lindenau dort ein Flugblatt gegen Judenfeindschaft, das sich solidarisch mit den Opfern des Hamas-Massakers vom 7. Oktober 2023 zeigte.
Die Reaktion folgte prompt. Zwischen dem 3. und 9. Oktober bedrohten Kinder und Jugendliche im Alter zwischen zehn und 15 Jahren den Ladeninhaber nahezu täglich. Am Jahrestag des Hamas-Überfalls eskalierte die Situation: Sechs Jugendliche drangen in das Geschäft ein, beschimpften den im Rollstuhl sitzenden Mann, besprühten ihn mit Pfefferspray und schlugen ihm mit einem Gegenstand, wahrscheinlich einer Schreckschusspistole, schwer auf den Hinterkopf.
An den Folgetagen kehrten die Täter zurück, attackierten ihn erneut und traten die Eingangstür ein. Mittlerweile ermittelt der Polizeiliche Staatsschutz beim Landeskriminalamt wegen gefährlicher Körperverletzung, Beleidigung und Sachbeschädigung.
Überfall
Pfefferspray, Ideologie und die Freiheit des Denkens: Das eigenwillige Leben des „HG“ Lindenau
Bei einem Besuch vor Ort spricht der 67-jährige Hans-Georg Lindenau über die Attacken, seine Philosophie der Gewaltfreiheit und ein bewegtes Leben.
5 Min
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Hans-Georg Lindenau in seinem Laden
© Max vom Hofe/Berliner Zeitung
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