Macht gegen Freiheit und Geld getauscht

Thomas Schmid
2 Min

Vom Straßenkämpfer zum Außenminister, vom grünen Pazifisten zum Befürworter der Bombardierung Belgrads, vom Ökologen zum Verteidiger des Baus neuer Kohlekraftwerke - Joschka Fischer steht im Ruf, sich immer wieder zu häuten und neu zu erfinden. Jetzt jobbt er also bei seiner früheren amerikanischen Amtskollegin Madeleine Albright. Die hat eine Beratungsfirma, und der deutsche Ex-Außenminister ist bei ihr als "strategischer Berater" im Brot. Es geht um die Einschätzung politischer Risiken und Investitionen in neuen Märkten.Schon mutiert der Mann, der als Jogger einst ganz Deutschland belehrte, wie man abspeckt, in der gehässigen Presse zur "grünen Raupe Nimmersatt". Dabei will er doch nur, wie andere auch, endlich richtig Kohle machen. Gerhard Schröder, sein einstiger Vorgesetzter, ist Aufsichtsratsvorsitzender bei einem Konzern, der der russischen Gasprom gehört. Sein früherer Kollege Wolfgang Clement ist im Aufsichtsrat einer Tochter von RWE. In der Geschäftswelt buhlt man eben um abgehalfterte Spitzenpolitiker, selbst wenn sie nur als Aushängeschild oder Türöffner dienen.Er tausche Macht gegen Freiheit ein, hat Fischer bei seinem Abschied von der Politik erklärt. Dass er damit auch die Freiheit meinte, Geld zu verdienen, kann man ihm nicht verübeln. Dass er in Berlin-Grunewald eine Villa hat - na und? Im Übrigen ist es den Grünen allemal lieber, wenn sich ihr einstiger Leitwolf mehr ums eigene Konto kümmert als um die deutsche Tagespolitik.

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