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Macks Farbspektren: Vom Licht des Morgens bis zum Dunkel der Nacht

In der Kunstkirche St. Matthäus am Berliner Kulturforum zeigt Heinz Mack seine neuen Farbspektren – vom hellen Morgenlicht bis zur Nacht.

4 Min
Heinz Mack: „Spectrum Mundi“, Ausstellungsansicht der Apsis

Heinz Mack: „Spectrum Mundi“, Ausstellungsansicht der Apsis

© VG Bild-Kunst, Bonn 2026/Heinz Mack/ Foto: © Leo Seidel

Der Mann ist eine Legende: Heinz Mack, 95, Maler von Farbe und Licht und Bildhauer totemartiger Skulpturen, ist der Letzte noch Lebende aus der kunstgeschichtlich folgenreichen Zero-Bewegung. Das war diese radikale, allen düsteren Kunst-Ballast des „Dritten Reiches“ abwerfende „Stunde null“-Ansage der  1950er-Jahre.

Der in Mönchengladbach und seit langem auch auf Ibiza, mit dem großen Atelierfenster gen Nordafrika lebende Künstler legt nun sein Alterswerk vor. Das 2025 und 2026 gemalte „Spectrum Mundi“ hängt und steht unpathetisch gestaffelt auf Stahlgestellen in der Apsis und beidseitig längs des Schiffes der evangelischen Kunstkirche St. Matthäus am Kulturforum.

Nach Goethes Farbenlehre

Den puristisch weiß gestrichenen Stüler-Bau, dessen Altar 1945 im Geschosshagel des Kriegsendes verbrannt war, füllen jetzt 24 Gemälde. Eines davon ist als angedeutetes Altarmotiv aus der Reihe „Chromatische Konstellationen“. Es sind allesamt 1,45 mal 1,60 Meter große Farbspektren, die sich auf eine jede Stunde des Tages beziehen, auf den Wandel vom hellen Licht des Morgens bis zu den dunklen Tönen der Nacht, von Monochrom zu den Regenbogenfarben als Zeichen der Hoffnung, Schönheit und möglichen Harmonie.

Heinz Mack: „Spectrum Mundi“, Ausstellungsansicht im Kirchenschiff

Heinz Mack: „Spectrum Mundi“, Ausstellungsansicht im Kirchenschiff

© VG Bild-Kunst, Bonn 2026/Heinz Mack/ Foto: © Leo Seidel

Die Bilder folgen indes weder der klassischen Komposition noch einer religiösen Diktion, sondern nur der inneren Logik der Farben selbst und deren Resonanzen: Reine Pigmente, Licht, Struktur und wie stumme Musik wahrnehmbare rhythmische Bewegung erzeugen geometrische Erscheinungen von nahezu immaterieller Wirkung.

Mack, diesen rastlosen Experimentator, reizt noch immer das Innovative, Selbstentwickelte. Seine Tafeln werden zu Lichtgebilden, immer nach der Farbenlehre von Goethe, nach der die Farbe das Licht nicht bricht, sondern abschirmt. Mack malte sozusagen 24 „Innenbilder“, in denen, wie er es weise und poetisch sagt, „die Seele Gestalt“ annehme.

Der als Künstler alterslose Mack lässt das Credo, man könnte auch sagen, das nachkriegsavantgardistische Manifest von Zero, aufleben, indem ein jeder im Raum erlebt, wie sehr diese Lichtkunst ohne Esoterik eine eher klare Phase des Schweigens, der Stille erzeugt. Eine Zwischenzone, in der ein alter Zustand in einen neuen, hoffnungsvolleren übergeht.

Eine Kunst für den Neuanfang

Für diesen Stil einer reinen, positiven Ästhetik von Licht, Farbe und Bewegung als eines von der Vergangenheit, von NS-Zeit, Holocaust und Krieg unbelasteten Neuanfangs engagierten sich neben Mack dazumal von der Düsseldorfer Kunstakademie aus auch Otto Piene und später der aus der DDR in den Westen geflohene Günther Uecker.

Ungewöhnliche Materialien kamen zum Einsatz:  Feuer, Rauch, Glas, Spiegel, Aluminium. Die Grenze zwischen Bild und Skulptur verschwand. Die Zero-Freunde sagten sich damals, die Abstrakten im Westen hätten die ganze Welt mit ihren Bildern gefüllt. Ihnen bleibe der Himmel: Licht und Luft. Bis heute ist die internationale Installations- und Konzeptkunst auch davon geprägt.

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95 und kein bisschen arbeitsmüde, und immer noch experimentierfreudig: der fotografisch gespiegelte  Zero-Maler und Bildhauer Heinz Mack

95 und kein bisschen arbeitsmüde, und immer noch experimentierfreudig: der fotografisch gespiegelte  Zero-Maler und Bildhauer Heinz Mack

© dpa/R. Vennenbernd

Farbe versteht Mack seit jeher als ein wesentliches Element menschlicher Erfahrung, geprägt von der Spannung zwischen ihrer materiellen Präsenz und ihrer immateriellen Wirkung. „Mich beschäftigt die unaufhaltsam vergehende Zeit und zugleich das Phänomen der Beständigkeit“, sagt der berühmte alte Künstler. Und: „Bekanntlich findet Kunst nur zeitweilig das Interesse der Menschen und kunsthistorische Bewegungen ergeben auch eine Art Tempi passati, typisch für unsere schnelllebige Zeit. Doch der Lauf der Sonne dauert 24 Stunden.“

Spectrum Mundi. St. Matthäus-Kirche, Matthäikirchplatz. Bis 13. September, Di–So 11–18 Uhr, Eintritt frei. Die Schau zur 15. Berlin Art Week entstand mit der MACK FOUNDATION und der Part Foundation/Spiegelberger Stiftung. Führungen/Gespräch mit Mack am 13. 9., 16 Uhr sowie mit Zero-Kennern: www.stiftung-stmatthaeus.de

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