WOLFSBURG. Alexander Madlung nahm auf versöhnliche Weise Abschied von seinem ehemaligen Arbeitgeber, für den er sieben Jahre lang gespielt hatte. Dieter Hoeneß, der Manager von Hertha BSC, wartete geduldig am Spielfeldrand, bis der Verteidiger des VfL Wolfsburg sein Aufwärmprogramm beendet hatte. Dann drückte er dem 24-Jährigen ein kleines Päckchen mit silberner Schleife in die Hand. Darin befand sich eine wertvolle Uhr. Hoeneß zeigte damit Größe, denn Madlung hatte in der Woche vor dem Spiel keine Chance ausgelassen, im Zorn zurückzublicken.Auch am Sonntag, als die Partie zu Ende war, stichelte er noch: "Ich wollte unbedingt ein Tor. Es wäre eine Genugtuung für mich gewesen." Zuvor hatte er den großen Worten im Vorfeld durchaus Taten folgen lassen. "Ich muss nur an Hertha denken, dann laufe ich von alleine", hatte er gesagt, da sei noch eine kleine Rechnung offen. Madlung rannte vor allem in der ersten Hälfte viel, agierte vorn wie hinten und besaß drei Chancen. Bei Hertha wussten sie genau um seine Gefährlichkeit - vor allem an diesem Tag. "Es ist immer schwer, wenn man gegen ehemalige Kollegen spielt", sagte Torhüter Christian Fiedler, man habe gespürt wie hoch motiviert Madlung gewesen sei: "Wir haben es ihm schwer gemacht."Zentimeter fehlenWie wahr. Bei Standardsituationen stellten sie Dick van Burik für Madlung ab. Zehn seiner elf Tore für Hertha hatte er nach ruhenden Bällen erzielt. "Schade, ich war so kurz davor. Einmal fehlten nur ein paar Zentimeter", sagte Madlung. Er habe allen bei Hertha zeigen wollen, "dass es ein Fehler war, mich zu verkaufen". Er habe in Berlin trotz aller Verdienste, die er für sich in Anspruch nimmt, keine Rückendeckung mehr gespürt, sei auch nach guten Auftritten sofort auf der Bank gelandet, schimpfte Madlung bereits im Vorfeld des Spiels.Er ist immer noch gekränkt, keine Frage. Dabei vergisst er, dass er sich bisweilen selbst im Weg stand. Oft war er zu undiszipliniert, vergangene Saison sah er binnen 23 Tagen dreimal die Rote Karte. Auch am Sonntag gab es einige Szenen, in denen er die Contenance verlor und sogar Referee Thorsten Kinhöfer angiftete. "Ich bin jetzt zwar bei einem neuen Verein, aber immer noch der Alte, der mit viel Emotionen spielt", sagte er und lächelte kurz. Bevor er noch einmal durchblicken ließ, wie tief der Schmerz sitzt. Er betonte, in seiner Heimat Niedersachsen nun mehr Vertrauen zu spüren. "Ich hoffe, es ist für mich der Beginn einer neuen Ära".In Berlin hatte es Madlung auf 81 Bundesligaspiele gebracht. Oft rettete er Hertha in den letzten Minuten, wenn er noch einmal seinen Schädel hin hielt. So ein Spieler, befand Hoeneß, habe einen ordentlichen Abschied verdient. Zumal er 1,3 Millionen Euro Ablöse brachte.------------------------------Foto: Einst vereint, jetzt Gegner: Alexander Madlung (r. ) und Gilberto.
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