Dieter Holzers Coup ist voll aufgegangen. Nur wenige Stunden, nachdem der in die Elf-Leuna-Affäre verstrickte saarländische Geschäftsmann vor dem CDU-Parteispenden-Untersuchungsausschuss jede Aussage zur Sache verweigert hatte, flimmerten die Bilder von seiner im Foyer des Bundesfinanzministeriums inszenierten "Spontan"-Pressekonferenz samt O-Ton in die deutschen Wohnstuben. Selten seien die Parlamentarier so vorgeführt worden, resümmierte etwa der Korrespondent der ARD das Spektakel, nachdem er in dem "Tagesschau"-Beitrag zuvor Holzers Version zum angeblich korrekten Verbleib diverser Elf-Millionen sowie zur "historischen Leistung" und Unschuld des Alt-Kanzlers dokumentiert hatte.Gegen den ansonsten eher kamerascheuen Dieter Holzer ermitteln im Zusammenhang mit dem milliardenschweren Subventionspoker um die Leuna- und Minol-Privatisierung die Justizbehörden von gleich vier Staaten wegen des Verdachts der Geldwäsche. Sie haben Anhaltspunkte für den Verdacht, dass der einstige Strauß-Intimus damit betraut war, Schmiergelder auch an Empfänger aus der deutschen Politik weiterzuleiten. Holzer zufolge sind dies lediglich "Märchen aus Tausendundeiner Nacht". Seine am Donnerstag "für jeden Deutschen" bestimmte Einlassung "zur Sache" dagegen sei unwiderruflich: "Ich habe Herrn Helmut Kohl, dem Alt-Bundeskanzler, nie Geld gegeben, ich kenne ihn nicht, ich habe mit ihm nie über Leuna gesprochen." Pech nur, dass dem Reißwolf im Kanzleramt zumindest ein Leuna-Dokument entgangen ist, das das Gegenteil belegt und das entgegen der sonstigen Praxis der Kohl-Mitarbeiter auch keinen Quellenschutz für Herrn Dieter Holzer vorsah. Mit Datum vom 11. November 1993 nämlich berief sich der Ex-Konsul in einem Brief an den "lieben Helmut Kohl" (Zusatz: "Persönlich - Vertraulich") auf ein kurz zuvor am Rande des CDU-Landesparteitages in Saarlouis-Roden geführtes Gespräch: "Sie haben mich gebeten, Ihnen kurz darzustellen, warum meiner Meinung nach Elf Aquitaine die Raffinerie in Leuna nicht bauen wird."Von der "unwiderruflichen" Wahrheit des Dieter Holzer bleibt da nicht viel: Der umtriebige Manager hat den Alt-Kanzler gekannt. Und über Leuna mit Helmut Kohl gesprochen hat er auch. Womit nun noch zu klären bleibt, wie es um den Gehalt von Holzers "Bimbes"-Versicherung bestellt ist.
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