Das Grabmal Kaiser Ottos I. (912–973) im Magdeburger Dom ist nach Erkenntnissen des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt im Laufe der Jahrhunderte mehrfach versetzt worden. Darauf deuten spätmittelalterliche Steinmetzzeichen auf den freigelegten Fundamentsteinen hin, die unter dem Sarkophag im „Hohen Chor“ zum Vorschein kamen.
Der Kalksteinsarkophag war zu Beginn des Jahres von seinem angestammten Platz entfernt worden, um den Untergrund erstmals umfassend zu untersuchen. Dabei zeigte sich, dass der Sarkophag auf großen Sandsteinquadern ruhte, von denen zwei spätmittelalterliche Steinmetzzeichen tragen. Zusätzlich bargen die Forscher stark korrodierte Eisenkeile, die zur Nivellierung des Sarkophags gedient hatten.
„Die Untersuchungen lieferten keine Anhaltspunkte dafür, dass sich die Grabstätte Ottos des Großen bereits im Vorgängerbau des heutigen Doms an derselben Stelle befand“, sagte Landesarchäologe Harald Meller. Die Frage nach dem ursprünglichen Bestattungsort des Kaisers im Dom bleibt damit offen.
Otto I., 962 in Rom zum Kaiser gekrönt, gilt als Wegbereiter des späteren Heiligen Römischen Reiches. 968 gründete er das Erzbistum Magdeburg, fünf Jahre später starb er in Memleben.
Mittelalterliches Gangsystem und farbige Vorgängerbauten
Die Grabungen erfassten auch ein seit langem bekanntes, aber bislang nicht vollständig erklärtes Gangsystem unter dem Fußboden des „Hohen Chors“. Die teils bis ins Mittelalter zurückreichenden Gänge waren im 19. Jahrhundert größtenteils verfüllt worden, um ein Absacken des Bodens zu verhindern.
Zu den weiteren Funden zählen Münzen, Glasperlen, Keramik sowie Fragmente von Fensterglas aus kristallinem Gips. Den umfangreichsten Fundkomplex bilden bemalte Putzreste, die auf eine farbige Ausgestaltung der Vorgängerbauten des heutigen Doms hinweisen.
Wiederbeisetzung im September geplant
Die Arbeiten sind Teil eines gemeinsamen Projekts der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt und des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt. Hintergrund sind Schäden am Grabmal, die 2024 festgestellt wurden. Als Ursachen gelten laut den Projektverantwortlichen korrodierende Eisenteile aus früheren Restaurierungen sowie Feuchtigkeit und Salze aus dem Untergrund.
Bereits 2025 waren der Sarkophag und ein darin befindlicher Holzsarg geöffnet worden. Untersuchungen bestätigten nach Angaben der Verantwortlichen, dass die geborgenen Gebeine tatsächlich Otto dem Großen zugeordnet werden können. Die sterblichen Überreste sollen am 1. September in einem neu gestalteten Sarg wieder im Magdeburger Dom beigesetzt werden.
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