Manche Arbeitnehmer werden im Januar von der Abgabenentlastung noch nichts spüren

Zu früh gefreut

Ruprecht Hammerschmidt
2 Min

BERLIN, 16. Dezember. Auch wenn die Steuerentlastung mehr Geld in die Haushaltskasse bringt - das Gehaltskonto sollte jetzt nicht voreilig überzogen werden. Denn wer mit Blick auf die niedrigeren Abgaben größere Weihnachtsgeschenke kauft als eigentlich geplant und denkt, das Minus werde bald ausgeglichen, könnte eine üble Überraschung erleben. Womöglich bekommt er im Januar gar nicht mehr Gehalt ausgezahlt und muss hohe Überziehungszinsen zahlen. Das Bundesfinanzministerium hat vorsorglich darauf hingewiesen, dass es für manchen Arbeitgeber schwierig werden könnte, die neuen Beschlüsse zum Steuer- kompromiss noch rechtzeitig bis zum Jahresende umzusetzen. Für das Ministerium sei es schwer einzuschätzen, wie lange die Umsetzung der neuen Tarife in den Unternehmen dauert, hieß es. Arbeitnehmer müssen im schlimmsten Fall noch bis April auf die Entlastung mitsamt fälliger Gutschriften für die zu hohen Zahlungen in den Vormonaten warten. "Solche Verzögerungen sind für die Bürger ein großes Ärgernis", sagt Stefan Walter vom Bund der Steuerzahler. Denn sie gewähren dadurch dem Staat ein kostenloses Darlehen, indem sie zunächst die bisher geltenden Sätze für 2004 bezahlen, die deutlich höher sind als jetzt geplant. Weil in der Lohnbuchhaltung kaum noch etwas per Hand erledigt wird, sind die Betriebe auf die Zuarbeit ihrer Software-Lieferanten angewiesen. Diese müssen die Programme für die Lohnbuchhaltung rechtzeitig aktualisieren. Die Experten sitzen wegen der knappen Zeit schon ungeduldig vor ihren Rechnern. "Wir können nicht anfangen, bevor wir nicht alle Details der Steuerentlastung kennen", sagt Peter Willig von der Firma Datev. Das Unternehmen verschickt jeden Monat ein Viertel aller Lohnabrechnungen in Deutschland. Doch noch am Dienstagabend waren die Finanzexperten der Parteien damit beschäftigt, die letzten Einzelheiten auszuhandeln. Erst wenn diese verbindlich feststehen, können Willig und seine Kollegen anfangen, mit einer aktuellen Formel die Tarife auszurechnen. Dafür bleiben ihnen nur wenige Tage. "Wenn wir die Einzelheiten noch in dieser Woche bekommen, schaffen wir die Anpassungen aber bis zum Jahreswechsel", verspricht Willig. Allerdings werden die Programmierer dafür ihre Weihnachtsfeiertage opfern müssen.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen
Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner