Mancher prominente Berlinale-Besucher muss dieser Tage der vielen Feierei Tribut zollen

Im falschen Film und eine Nacht auf der Treppe

Andreas Kurtz
3 Min

Die Party nach der Berlinale-Premiere von "Der Rote Kakadu" in der Nacht zum Mittwoch im Café Keese an der Bismarckstraße zeigte pünktlich nach der Hälfte der Filmfestspiele erste Verschleißerscheinungen beim Publikum. Rosa von Praunheim, sonst ein echter Steher, hatte den Film ausgelassen und kam bloß zur Party, wo er dann auch einen anderen Film ("Knallhart" vom Regisseurskollegen Detlev Buck) über den grünen Klee lobte.Aber nach so anstrengenden Tagen kann man ja schon mal durcheinander kommen Produzent Stefan Arndt ("X-Filme") bedauerte sich selbst ein wenig, weil er nicht mehr ohne Krawatte aus dem Haus gehen kann. Die Binder sind bei ihm neuerdings unabkömmlich, weil er so einen starken Charakter hat. Mitten in der verrauchten Luft seiner Party sagte er standhaft: "Ich habe mir das Rauchen abgewöhnt." Und wie das manchmal so ist - man ersetzt ein Laster durch das Nächste. Mit dem Absetzen der Zigaretten stieg bei ihm der Appetit: "Und jetzt muss ich immer Krawatte tragen, damit man nicht sieht, wie sehr das Hemd spannt."Zwischen all den Lobhudeleien, die man sich von den Premierenpartygästen über "Der Rote Kakadu" (ab heute im Kino!) anhören konnte, tanzte Henry Hübchen ("Alles auf Zucker") aus der Reihe: "Der Film hat mich nicht befriedigt." Das bedarf jetzt aber noch der Erläuterung. Was ihn am Film gestört hat, umschreibt der beliebte Schauspieler so: "Ich habe die ganze Zeit gewartet, wann er anfängt." Auf der Suche nach einer Erklärung für seine Unzufriedenheit landet Hübchen aber doch bei einem Lob: "Ich schätze Dominik Graf als Regisseur, deshalb waren meine Erwartungen wohl zu hoch."Für den Sänger Tim Fischer läuft die Berlinale unter "Fetenfestspiele". Der von ihm sehr gelobte Film "Der Rote Kakadu" ("Fantastisch! Ich bin richtig ergriffen! Da gab es zu Herzen gehende Momente und sehr viel zu lachen") war sein erster. Obwohl er auch schon eine Einladung zu "Der die Tollkirsche ausgräbt", dem Regiedebüt von Franka Potente, hatte.Aber da stand er sich selbst ein wenig im Weg: "Ich wusste nicht, in welchem Kino das läuft. Bin ich halt bloß zur Party gegangen."Auf einer anderen Feier floss der Champagner stundenlang in Strömen. "Ich habe fünf Flaschen getrunken", bekennt sich Fischer zu seiner Maßlosigkeit. Die Folge: Der Schlaf ereilte den Sänger an einem ungewöhnlichen Ort: "Meine Haustür habe ich noch aufgeschlossen. Aber geschlafen habe ich auf der Treppe." Zum Glück hat er sich bei seinem Schlaf im Treppenhaus nicht verkühlt, schließlich soll Fischer schon am Montag mit seinem stets ausverkauften Georg-Kreisler-Abend auf der Bühne der Bar jeder Vernunft stehen.------------------------------Stars guckenAuf dem roten Teppich des Berlinale-Palastes werden heute zwei Weltstars erwartet. Um 19.30 Uhr präsentieren Regisseur Claude Chabrol und Hauptdarstellerin Isabelle Huppert ihren Film "L'Ivresse Du Pouvoir" ("Geheime Staatsaffären").Hollywood-Haudrauf Vin Diesel ist der Star des Ensembles von "Find Me Guilty". Der Wettbewerbsbeitrag von Sidney Lumet feiert heute um 22.30 Uhr Premiere im Berlinale-Palast.------------------------------Karte: Zentrum der Berlinale------------------------------Foto: Zwei Helden der Berlinale-Nächte: Hannelore Elsner und Henry Hübchen auf der Premierenparty von "Der Rote Kakadu" im Café Keese.

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