Wer ein heruntergekommenes Haus kauft, rechnet mit Schimmel, maroden Leitungen und bösen Überraschungen. Alfio aus der Provinz Messina fand stattdessen einen Schatz.
Der 30-jährige Sizilianer hatte die seit Jahren leerstehende Immobilie im März erworben und im Sommer eigenhändig mit der Renovierung begonnen. In einem Hohlraum über einer Tür stieß er dabei auf sieben Dosen der italienischen Brausetabletten-Marke Citrosodina.
Darin: 1354 Banknoten zu je 100.000 Lire. Macht zusammen 135,4 Millionen Lire – nach offiziellem Umrechnungskurs rund 69.400 Euro.
„Ich war sprachlos, als ich all diese Scheine sah“, sagte der Mann, der anonym bleiben will, der Zeitung Il Fatto Quotidiano. „So viel Geld habe ich in meinem Leben noch nie gesehen.“
Die Scheine wirken wie frisch aus dem Automaten
Wie lange das Geld in der Wand steckte, weiß niemand. Erstaunlich gut erhalten ist es trotzdem. Die Banknoten seien unter Druck in die randvollen Dosen gepresst und bestens konserviert gewesen, berichtete der Finder – „als hätte ich sie gestern am Automaten abgehoben“.
Für Alfio ist der Fund auch eine Zeitreise. Er erinnert sich noch gut an die Lira: Sein Vater habe mit 100.000 Lire den Monatseinkauf erledigt, er selbst als Jugendlicher für 50.000 Lire die Woche gearbeitet.
Doch die Freude bekam schnell einen Dämpfer. Denn das eigentliche Drama beginnt erst nach dem Fund.
Banca d'Italia: „Das ist Altpapier“
Über einen Anwalt wandte sich Alfio an die italienische Zentralbank – und kassierte eine Abfuhr. Die Banknoten seien wertlos, die Frist für den Umtausch am 28. Februar 2012 endgültig abgelaufen.
Tatsächlich verlor die Lira am 28. Februar 2002 ihren Status als gesetzliches Zahlungsmittel. Zehn Jahre lang konnten Italiener ihre alten Scheine danach noch in Euro tauschen. Seitdem gilt: zu spät.
Der Jurist Alessandro Romanò von der Organisation Associazione Italia sieht das anders. Er beruft sich auf Artikel 2935 des italienischen Zivilgesetzbuchs: Eine Verjährungsfrist beginnt demnach erst zu laufen, wenn der Betroffene sein Recht überhaupt geltend machen kann.
Und das konnte Alfio frühestens in diesem Sommer – vorher wusste er nichts von dem Geld. Der Kaufvertrag von März, die frisch begonnenen Bauarbeiten, die Handwerker als Zeugen: All das lasse sich belegen, argumentiert Romanò. Nach dieser Lesart hätte der Finder bis 2036 Zeit für den Umtausch.
Italiens versunkener Lira-Schatz
Alfios Fall ist kein Einzelfall. „In Italien schlummert ein regelrechter Schatz“, sagte Romanò dem Fatto Quotidiano. Seine Organisation betreute bereits eine Frau aus Genua, die 150 Millionen Lire fand, und einen Fall in Nordostitalien mit 350 Millionen Lire.
Romanò verweist zudem auf einen wunden Punkt: In mehreren europäischen Ländern gibt es bis heute keine Frist für den Umtausch der alten Landeswährung. Deutschland etwa tauscht D-Mark unbegrenzt.
Ob Alfio seine 69.400 Euro je sieht, dürften am Ende Gerichte entscheiden. Bis dahin bleibt ihm ein Trost: Sieben Dosen Brausetabletten hat noch niemand teurer bezahlt.
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