Die Blätter fallen, der Wind wird rauer, und die Sehnsucht nach dem richtigen Mantel wächst mit jedem Spaziergang durch die Stadt. Die beste Inspiration liegt dabei in diesem Herbst dreißig Jahre zurück: in den Neunzigern.
Damals trugen Frauen erstaunlich wenig und wirkten, als wüssten sie etwas, das wir noch nicht wissen. Kein Logo, kein Muster, keine Farbe, die um Aufmerksamkeit bettelt. Dafür fast immer einen Mantel.
Jetzt hängt er wieder da. Auf den Herbstschauen 2026/27 kehrt die Ästhetik der 90er-Jahre zurück, bei Marken wie Calvin Klein ebenso wie bei Prada und Armani. Diese drei Modelle sollten Sie kennen.
Wie zeitlos der 90er-Jahre sein kann, zeigt Prada auf dem Laufsteg in Mailand zur Herbst/Winter-Kollektion 2026/27. Diese drei Modelle sollten Sie kennen.
© Bestimage/Imago
1. Die cleane Linie: Einreiher à la Calvin Klein
Der Minimalismus der 90er-Jahre ist pünktlich zum Herbst wieder da. Inmitten von schrillen Trends und nie endendem Trubel in der (Mode-)Welt, sehnt sich Frau von heute, zumindest was den Wintermantel angeht, nach einem unaufgeregten, zeitlosen Begleiter.
Minimalismus war in den Neunzigern mehr als ein Stil; er war eine Antwort. Nach den opulenten Achtzigern mit Schulterpolstern und Glitzer setzten Designer wie Calvin Klein, Jil Sander und Helmut Lang auf Reduktion: gerade Schnitte, gedeckte Farben, hochwertige Stoffe, nichts, was ablenkt. Dass dieser Stil gerade zurückkehrt, ist kein Zufall. Nach Jahren voller Trendzyklen und Social-Media-Überfluss sehnt sich die Mode wieder nach Ruhe, und kaum ein Kleidungsstück verkörpert sie so gut wie der schlichte Mantel.
Minimalismus als Inbegriff von Eleganz steht in diesem Jahr wieder im Zentrum bei Calvin Klein.
© Calvin Klein Collection
Bei Calvin Klein prägte damals unter anderem Modeikone und PR-Direktorin Carolyn Bessette-Kennedy das Bild des Hauses: gerade Schnitte, klare Linien, eine monochrome Palette. Der einreihige Mantel aus Wolle, meist in Schwarz, Grau oder sandigem Beige, bringt diese Ruhe in den Kleiderschrank und verliert dabei nichts von seiner Dominanz. Langweilig? Im Gegenteil. Er ist ein Alleskönner, der jedem Stil eine elegante Anmut verleiht, cool und ohne das Bedürfnis, irgendetwas zu beweisen.
Das Schöne an diesem Mantel ist sein Verzicht. Keine Zierknöpfe, keine Schnallen, keine Taschenklappen, die etwas erzählen wollen. Er überlässt Ihnen und Ihrem Outfit die ganze Bühne. Ein Rollkragenpullover darunter, eine schmale Hose, glatte Schuhe und das Outfit ist fertig, bevor der Mantel überhaupt richtig zugeknöpft ist. Wer auf Qualität und gutes Material achtet, findet in ihm einen Begleiter für viele Winter.
2. Er prägte die Bildsprache der Neunziger auf der großen Leinwand: der Ledermantel
Ganz anders der zweite Kandidat, mit deutlich mehr Attitüde. Der lange Ledermantel gehört zu den Kleidungsstücken, die eine Filmszene in sich tragen. Wer ihn überwirft, hört unwillkürlich eine Titelmusik.
Er beherrscht die Coolness mit schwarzem, langem Leder wie in „Matrix“ ebenso wie einen Spaziergang durch Carrie Bradshaws New York der 90er-Jahre.
Der Ledermantel der 90er-Jahre geht nicht nur so gut wie immer, er zieht sich sogar durch die Filmgeschichte der Zeit.
© Everett Collection, United Archives/Imago
Der Ledermantel ist vielseitig kombinierbar. Ein weißes Hemd unter dem schwarzen V-Neck, ein weiter Rock oder eine lockere Stoffhose darunter. Wer es mutiger mag, kombiniert Leder mit Leder, etwa in dunklem Espressobraun monochrom bis zu den Stiefeln. Lederhandschuhe und eine markante Tasche machen aus dem Mantel einen Blickfang.
Häuser wie Giorgio Armani, Bottega Veneta und Prada zeigten den Ledermantel in verschiedenen Ausführungen in ihren Kollektionen für die Herbst/Winter-Saison 2026/27.
© Bestimage/Imago
Ob es echtes Leder sein muss? Nicht unbedingt. Viele der besten Modelle sind heute aus beschichteten Stoffen oder Lederalternativen und stehen dem Original kaum nach. Wer aber in einem Second-Hand-Laden fündig wird, hat doppelt Glück und bekommt gleich die richtige Patina dazu – und eine Erinnerung aus den originalen 90er-Jahren noch obendrauf.
3. Der Trench, groß gedacht
Zuletzt der Klassiker unter den Klassikern, mit herbstlicher Ausstrahlung: der Trenchcoat. Sandfarben, doppelreihig, mit Gürtel und Burberry-Karo im Innenfutter ist er ohnehin zeitlos.
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In den Neunzigern wurde er größer, weiter, bodenlang. Aus dem ursprünglich englischen Regenmantel wurde ein Kleidungsstück für alle Lebenslagen: für nasse Straßen im Straßenlampenlicht ebenso wie für den Spaziergang durch raschelndes Laub in der Herbstsonne.
Heute ist er die vielleicht bequemste Abkürzung zum guten Aussehen. Über einem Slipkleid wirkt er wie ein mühelos inszenierter Stilbruch, über Jeans und Sweater strahlt er pure Lässigkeit aus, und beim schnellen Einkauf am Abend verschwindet das ganze Outfit einfach darunter. Am besten funktionieren Varianten aus schwerem Baumwollstoff in Oliv, Schiefergrau oder Beige.
Schließlich erinnert der Mantel an das, was die Neunziger uns eigentlich mitgegeben haben: dass ein guter Auftritt nicht viel braucht.
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