Manuel Neuer und René Adler wollen ins Nationaltor

Die fangenden Feldspieler

Daniel Theweleit
3 Min

GELSENKIRCHEN. Richtig spektakuläre Aktionen hatten Manuel Neuer und René Adler am Freitagabend nicht nötig, um ihre Präsenz auf dem Platz zu unterstreichen. Die beiden Torhüter wirkten beim 1:1 zwischen dem FC Schalke 04 und Bayer Leverkusen mit ihrer Spielweise tief ins Mittelfeld hinein, fingen Bälle ab und beschleunigten das Tempo mit schnellen und präzisen Abwürfen. Wenn es nötig war, zeigten sie auch Paraden, doch sie sparten sich in solchen Momenten die Kahn'schen Gesten der Selbstbeweihräucherung. "Das ist meine Aufgabe", sagte Adler schlicht. Selten war die schon länger diskutierte Erneuerung des Torhüterspiels deutlicher zu beobachten als an diesem Freitagabend.Selten haben zwei gegenüber stehende Torhüter in der Bundesliga so selbstverständlich auch als Feldspieler agiert. Nicht nur in der Rolle des Bälle abfangenden Liberos hinter der Viererkette, sondern auch als versierte Spieleröffner. Dort im Mittelfeld, wo es oft um Zentimeter geht, hat diese Exaktheit mittlerweile eine enorme Bedeutung, Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler sprach beeindruckt von einem "unfassbaren Potenzial an deutschen Torhütern".Ruhig und verlässlichNatürlich gelten Adler und Neuer längst als die kommenden Männer für die Nationalmannschaft. Und was ihre internationale Zukunft betrifft, beginnt für die beiden gerade jetzt eine wichtige Phase. Denn nach der EM im kommenden Sommer tritt Jens Lehmann zurück, dann wird die Torhüterhierarchie im deutschen Fußball neu geordnet, und wer sich jetzt die günstigste Position erarbeitet, der hat vielleicht sogar die Chance, Timo Hildebrand und Robert Enke bereits in einem Jahr zu überflügeln.Nach ihren Auftritten am Freitagabend wollten beide diese Situation lieber nicht kommentieren. Der 21-jährige Neuer wurde immerhin zum am Dienstag in Köln statt findenden Fitnesstest der Nationalmannschaft eingeladen. Er sei froh, dabei zu sein und werde alles geben, versprach er. Während der ein Jahr ältere Adler versicherte, "nicht neidisch" zu sein. Es ist auch ein Zug des Duos, dass es jenseits des Platzes eher leise Worte formuliert.Ins Schwärmen geraten, hob Völler später noch eine weitere Qualität der beiden hervor: "Die neue Generation spielt in vielen Momenten völlig unspektakulär, früher haben die Torhüter Paraden für die Fotografen gemacht", sagte der frühere Teamchef der Nationalmannschaft. Löw hat schon einmal vorsichtig erste Vorbereitungen getroffen, zumindest einen der beiden mit zur EM zu nehmen. "Wenn Timo Hildebrand in Valencia das ganze Jahr nicht spielt, dann haben wir ein Problem", sagte der Bundestrainer unlängst, allerdings kündigte er an, dass die Entscheidung über die Ersatztorhüter, die mit zur EM fahren, erst relativ spät fallen werde.Deshalb hat auch René Adler noch alle Chancen, auch wenn er derzeit wohl ein wenig hinter Manuel Neuer steht. Vermutlich wird aber auch der 21-jährige Schalker irgendwann ein Tal durchschreiten, und vielleicht kann Adler diese Situation dann nutzen. Schon in der vergangenen Saison reichte ihm das eine Spiel auf Schalke, als Hans-Jörg Butt gesperrt war, um sich in den Vordergrund zu schieben.------------------------------Foto: Brüder im Geiste: Leverkusens Adler (l.) und Schalkes Neuer.

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