Maria Kolesnikowa ist eine davon. Sie plant jetzt die Zeit nach Lukaschenkos Abgang. Die 38-jährige Musikerin, die zu einem der zentralen Gesichter der Proteste geworden ist, hat verkündet, die Partei „Wmestje“ (zu Deutsch: „Zusammen“) gründen zu wollen. Die Partei soll mit dem Oppositionsrat zusammenarbeiten und eine Verfassungsänderung in Gang bringen. All das sind Schritte, um dem aktuellen Protest eine Struktur zu geben.
Wie die Oppositionsführerin Swetlana Tichanowska, die aktuell im Exil in Litauen verweilt, ist auch Maria Kolesnikowa eher zufällig Politikerin und Aktivistin geworden. Die 38-Jährige hat Querflöte und Dirigat in Minsk studiert, zwölf Jahre lang in Deutschland gelebt und sich eine Existenz als Musikerin zwischen den Welten aufgebaut.
Belarus: Zehntausende Demonstranten trotzen Truppenaufmarsch
Zugleich war sie mit dem Banker Wiktor Babariko befreundet. Der Mann, der später zu einem der aussichtsreichsten Präsidentschaftskandidaten in Belarus werden sollte, hat die Flötistin überzeugt, in die Heimat zurückzukehren und dort das Kunstzentrum OK-16 zu leiten. Kolesnikowa sagte zu – und wurde nebenbei Babarikos Kampagnenchefin.
Nachdem der Banker von Lukaschenko verhaftet worden war, rief Kolesnikowa zum Protest auf. Seitdem verteidigt sie mit größtem Risiko für Leib und Leben die Freiheitsrechte der Belarussen. Anders als Swetlana Tichanowska hat sie das Land nicht verlassen. Jeden Tag steht sie auf der Straße und solidarisiert sich mit Tausenden Demonstranten, die friedlich für ihre Rechte eintreten. Dabei trägt sie weißes T-Shirt, roten Lippenstift und beweist mit ihrer Präsenz, was die Proteste in Belarus im Kern ausmacht: Sie sind weiblich, jung, friedlich, zukunftsgewandt und undogmatisch. Es ist schwer, sich von so einem Kampfgeist, für den auch Kolesnikowa steht, nicht anstecken zu lassen.
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