Marken aus den neuen Ländern machen nur vier Prozent des Umsatzes in den alten Ländern aus

Westmärkte sind schwer zu knacken

Klaus Wille
3 Min

Noch bis zum Sonntag präsentieren Hersteller aus den neuen Bundesländern ihre Waren auf der Ostpro-Messe am Berliner Fernsehturm. Bei westdeutschen Käufern finden ostdeutsche Waren jedoch kaum Zuspruch.Glaubt man den Allensbacher Meinungsforschern, dann ist alles eitel Sonnenschein. "In Westdeutschland gibt es kaum Vorurteile gegenüber Ostprodukten", so das Ergebnis einer Untersuchung vom vergangenen Jahr.Mehr als jeder zweite Westdeutsche sei überzeugt, daß es zwischen den Waren aus West- und aus Ostdeutschland keine nennenswerten Qualitätsdifferenzen gibt, so die Meinungsforscher. Bei Fleisch- und Milchprodukten, Zigaretten, Schallplatten, Waschpulver, Handwerksartikeln, Benzin, Möbeln, Gardinen oder Teppichen würden die Bürger der alten Bundesländer keinen Unterschied zwischen Ost und West machen. Nur bei Unterhaltungselektronik sowie Haushaltsgeräten, Körperpflegemitteln und speziellen Genußmitteln wie Kaffee würden sie Westprodukte kaufen, weil sie diese für besser halten als die Ostwaren.Soweit die erforschte Meinung. Die Fakten sehen anders aus. "Am gesamten Umsatz in Westdeutschland haben klassische Ostmarken nur einen Anteil von vier Prozent", sagt Thomas Nassua vom ifo-Institut für Wirtschaftsforschung in München. Den Anteil der Ostprodukte im ostdeutschen Handel beziffert er auf 15 bis 25 Prozent. Noch schlechter schätzt Sabine Mielke von der Forschungsstelle für den Handel in Berlin die Chancen der Ostmarken auf dem Westmarkt ein. "Die machen im Handel der alten Bundesländer ein Prozent aus", sagt sie.Daß die Allensbach-Umfrage ein so positives Bild von der Einstellung der Westdeutschen zeichne, führt Mielke auf den bekannten Unterschied zwischen bekundeter Meinung und wirklichem Verhalten zurück. "Natürlich wird jeder sagen, daß er die Ostmarken für gut hält. Aber am Kaufhausregal sind Ost- und Westdeutsche doch Egoisten und kaufen die statusträchtigeren internationalen oder Westmarken. Gerade im Bereich der Unterhaltungselektronik verhalten sich die Ostdeutschen genauso." Sony statt RFT.Von den Firmen im Osten fordert Mielke flexiblere Verkaufsstrategien. "Viele kleine Ost-Firmen sollten ihr Marketing koordinieren. Es hat keinen Sinn, wenn eine Firma ihr Bügeleisen allein in den Handel bringen will. Sie müßte zusammen mit anderen Firmen eine ganze Produktpalette unter einem Logo anbieten." Viel mehr Wert sollte auch auf die persönlichen Kontakte zu den Händlern gelegt werden. "Solche Kontakte sind im Westen innerhalb von Jahrzehnten aufgebaut worden."Andererseits sei es in vielen Bereichen unmöglich, eine neue Marke zu etablieren, weil der Markt randvoll ist. Beispiel Rasiergeräte: Bei den teuren Apparaten teilen sich Philips und Braun den Markt, im Segment der preiswerten Geräte tummeln sich Firmen wie Privileg. Keine Chance also für eine ostdeutsche Firma wie Bebo Sher, die ihre Rasierer seit Jahrzehnten im Osten verkauft, im Westen aber keinen Zugang zu den Kaufhäusern findet.Nur im Nahrungsmittelbereich sei das Ergebnis zufriedenstellend, so ifo-Forscher Nassua. Nach einer neuen Untersuchung des Instituts setzt der ostdeutsche Nahrungsmittelproduzent durchschnittlich 25 Prozent seiner Produkte im Westen ab. Mehr brauche das nicht sein, denn der Nahrungsmittelbereich ist "sehr regional geprägt". Bei allen anderen Konsumgütern sei der durchschnittliche Anteil des Absatzes im Westen mit 40 Prozent zwar höher. "Aber im Westen leben mehr Menschen. Eigentlich müßte der Anteil noch viel höher sein als 40 Prozent, damit sich beispielsweise ein Vertriebsnetz lohnt."Viele Ostmarken sind mittlerweile gar nicht mehr als Ostprodukte erkennbar. So läßt Deutschlands größter Lebensmittelhändler Rewe seine Marken "Today" (Kosmetik) und "Salto" (Tiefkühlkost) in den neuen Bundesländern herstellen. +++

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